Sonntag, 19. Oktober 2008

Was sind Sie von Beruf?

Inzwischen habe ich regelmäßig Chinesisch-Unterricht. Zuerst hatte ich nur einmal in der Woche Unterricht. Meine Lehrerin ist aber der Meinung, dass man eigentlich täglich lernen müsste, sie hat zur Zeit auch nicht so viele Schüler und sie könnte mich jeden Tag eine Stunde unterrichten…
Jedes mal wird Aussprache geübt. Ich muss vorlesen und sie korrigiert mich, oder sie liest vor und ich muss aufschreiben was sie gesprochen hat. Bei diesen Übungen geht es nur darum die Konsonanten zu unterscheiden oder die verschiedenen Tonen.
Für meine an die einfache Spanische Sprache gewohnten Ohren klingt zum Beispiel qi genauso wie xi, oder zheng genauso wie sheng und cheng. Dann muss man noch Zeichen lernen! Die setzen sich aus sogenannten Strokes und die Reihenfolge ist sehr wichtig! Wenn da noch Zeit bleibt, lernt man noch ein oder zwei neue Wörter dazu.
Die Namen für Obst und Gemüse konnte ich mir nicht merken… meine Lehrerin hat es wirklich versucht, dann hat sie aber das Thema gewechselt. Für die Namen der Familienmitglieder hatte ich mehr Talent, uff! Und auch die Namen einiger Berufe konnte ich mir merken. Nur nicht mein eigener Beruf, denn Ingenieur setzt sich im chinesischen aus drei Silben: gong cheng shi, die ich immer in der Reihenfolge durcheinander bringe.
Aber ein bisschen was bleibt hängen. 
Letztens erwischte ich wieder einen Taxifahrer, der sich nicht auskannte… Ich sagte ihm, Gaoxin Liu Lu (6th Gaoxin Road). Der Taxifahrer fuhr los. Er wog nicht nach rechts ab, sondern fuhr gerade aus weiter. Ich dachte er weißt was er tut, bis er die letzte Möglichkeit nach rechts abzubiegen verpasste… „Rechts“ sagte ich. (Ich kann ja nur rechts, links, gerade aus und anhalten sagen). Er fragte mich wahrscheinlich, wie er dahin kommt… ich konnte ihm leider nur zweierlei sagen: „rechts“ & „Gaoxin liu lu“. Er fragte mich weiter und wurde jedes Mal etwas lauter. Ich verstand trotzdem nichts und zeigte ihm mit den Händen, er solle zurück fahren. Er tat das, redete aber ungeduldig weiter. Da fiel mir den Satz vom letzten Unterricht ein: „Ni zuo shenme gonzuo“ Was sind Sie von Beruf? 
Er hat erst mal nichts gesagt, dann aber etwas gelacht und in einem weniger genervten Ton weiter geredet. Mit meinen drei Wörter lotste ich ihn zum Ziel. 
Später sagte man mir aber, das sei gar nicht höflich gewesen. Chinesen sind nicht so dirket, insbesondere wenn es darum geht, etwas negativ auszudrücken. Man muss alles durch die Blume sagen. Ich werde meine Lehrerin fragen, wie man auf Chinesisch fragt: Ist heute ihr erste Tag als Taxifahrer? Oder, Sind sie neu in der Stadt?  

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