Sonntag, 30. November 2008

Die coolste aller Pagoden

Vor ein Paar Wochen waren wir über das Wochenende in Hangzhou, eine schöne Stadt im Osten Chinas. In der Nähe von Shanghai. Marco Polo sagte ein mal ‚Im Himmel ist das Paradies, auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou’. In der Tat, war die Stadt eine Wohltat für die Augen und für die Seele. Sehr viel Grün. Größe, prächtige Bäume wo man hinschaut. Es ist schwierig sich in der Stadt zu orientieren, denn wo man hinschaut, man sieht nur die großen Bäume. Dann hat die Stadt auch einen schönen See, den Westsee. Im See sind schöne Brücken und Lotus Blumen zu sehen. Außer dem See werden im Reiseführer folgende Sehenswürdigkeiten aufgelistet:

‚Beschütze Chu’ Pagode
Pagode des Blumengirlanden Sutra
Grab des Generals Yue Fei
Kloster der Seelenzuflucht
Teemuseum
Museum für chinesische Medizin

Außer dem Grab eines Generals wollen wir alles sehen.
Überhaupt, wenn man in China reist, bekommt man einige Buddhistische Tempeln und Pagoden zu sehen. Xi’an hat eine der wichtigsten Pagoden Chinas. In der Wildgans Pagode übersetzte ein chinesischer Gelehrte Buddhistische Schriften ins chinesisch. Ungefähr eine Stunde von Xi’an entfernt ist die Famen Pagode. Auch sehr bedeutend. Vor zwanzig Jahre stürzte eine Hälfte der Pagode. Bei dem Wiederaufbau fand man unter der Pagode den zwei tausend Jahre alten Knochen eines Buddhas und Schätze aus der damaligen Dynastie.

Eine der Pagoden in Hangzhou zählt sogar zu den acht bedeutesten Pagoden Chinas, sagte mir mein Kollege. Die erste Pagode ist sehr schön. Wir können rein gehen und auf die höchste Ebene gehen. Der Blick über die Stadt ist schön. Man musst sich aber immer wieder bücken, denn das Dach ist an manchen Stellen etwas tief.

Danach gehen wir auf die ‚Beschütze Chu’ Pagode. Es heißt die Pagode ist aus dem 10. Jahrhundert und ragt 45 m in die Höhe. Ich bin gespannt. Wir kommen zum Eingang und wollen Tickets kaufen. Wegen den vielen Bäumen ist die Pagode vom Ticketschalter nicht zu sehen. Statt dessen sehe ich (zum ersten mal in China) das Zeichen für Rollstuhlfahrer geeignet. Ich staune, denn die Pagoden die ich bisher besucht habe sind aus Holz und die Treppen sind nicht gerade breit. Wir gehen rein und nach ein Paar Ecken bekommen wir den ersten Einblick. Um zur Pagode zu gelangen muss man etliche Treppen laufen. Oder man fährt mit der Rolltreppe!

Ja, rechts und links der Rolltreppe ist die Treppe weiß und chinesisch geschmückt. Wir wollen auch Rolltreppe fahren! Etwas weiter oben sehen wir rechts und links der Pagode Glashäuschen, die Fahrstühle der Pagode. Wow! Die Pagode selbst ist neu. In der ersten Etage sieht man die Ruinen der alten Pagode, die vor einigen Jahren eingestürzt ist. In der Pagode können wir Treppen laufen oder den Aufzug nehmen.


Oben ist der Blick auch sehr schön. Viele Besucher, und Georg wird wieder ganz unauffällig fotografiert, weil er 'laowei', Ausländer ist. Wir schauen eine Weile runter und fragen uns, ob die Rolltreppe auch mal in die andere Richtung fährt, nämlich nach unten, denn es gibt nicht zwei sondern nur eine und die fährt die ganze Zeit nach oben… Wir sehen an dem Tag keinen Rollstuhlfahrer und auch die Treppe fuhr nur nach oben, aber vielleicht kann die in beide Richtungen fahren. Wenn man die Besucher dazu bringt, auf der anderen Seite zu warten.

Ein Gedicht auf Chinesisch

Ein sehr berühmtes und bedeutendes Gedicht über den ebenso bedeutenden Gelben Fluss sieht so aus:

白 日 依 山 尽
Bei ri yi shan jin

黄 河 入 海 流
huang he ru hai liu

欲 穷 千 里 目
yu qiong qian li mu

更 上 一 层 楼
geng shang yi ceng lou


Ein Vierzeiler, aber der hat es in sich. Zweite und vierte Zeile reimen sich (die zweite Zeile endet mit liu, die vierte mit lou.). Bestimmte Regeln über Reihenfolge und Vorkommen der vier verschiedenen Tone werden eingehalten.

Meine Lehrerin erklärte mir das Gedicht wie folgt:

Die Sonne folgt den Berg am Ende des Tages
Der gelbe Fluss fließt ins Meer
Tausend Meilen weit, wenn man mehr sehen möchte
Muss man noch höher gehen

Die ersten zwei Zeilen beschreiben die Landschaft. Die letzten zwei Zeilen sind zu einer Redewendung geworden. Diese wird von Eltern gebraucht, wenn sie ihre Kinder zum lernen bzw. zum Studieren motivieren wollen.

Man braucht ein Bisschen Abstraktionsvermögen um das schöne Gedicht aus der Bedeutung der einzelnen Zeichen abzuleiten.
白: weiß; 日: tag/Sonne; 依: stützen; 山: Berg; 尽: bis zuende
黄: gelb; 河: Fluss; 入: reingehen; 海: Meer; 流: fliessen
欲: Sehnsucht; 穷: mittellos; 千: tausend; 里: Nachbarschaft; 目: Auge
更: mehr; 上 : gehen zu; 一 层 楼: hoeher / eine hoehere Ebene

Das erste Zeichen steht für die Farbe Weiß. Aber weiß kommt gar nicht im Gedicht vor. Weiße Sonne, die ersten zwei Zeichen. Weil weiß ist die Farbe der Sonne, wenn sie untergeht, meint ‚weiße Sonne’ den Sonnenuntergang.
Das dritte Zeichen in der dritten Zeile steht heutzutage für Tausend. Aber damals war das eine Einheit, genauer gesagt eine Entfernungseinheit. Also weit, weit weg.

Eine Übersetzung aus dem Internet lautet wie folgt:
The sun leaning close to the mountain
The yellow river flowing to sea
(want to fill your eyes) With the tausends of mile scenery
Climb another floor

Dienstag, 25. November 2008

Die Nachrichten

Bis vor kurzem hatten wir nur vier Fernseher Kanäle. CCTV1, Xi’an TV und zwei regional Sender. Also alles auf chinesisch. Seit letzte Woche haben wir einen digital Empfänger, und damit mehrere chinesische Kanäle... Auf einem dieser Kanäle CCT9 gibt es manchmal Filme oder Nachrichten auf Englisch.
Wir schauten gestern ein bisschen Nachrichten:
Unfall auf einer Baustelle für die UBahn. Ein Tunnel hat nicht gehalten. Ganze Strassen sackten zusammen. Szenen vom Unfallort und von verletzten im Krankenhaus werden gezeigt Der englische Nachrichtensprecher spricht mit einer Journalistin vor Ort. Sie erzählt vom Zustand der Verletzten. Thank you very much Haohao! Dann folgt die nächste Nachricht:
In Shanghai begann heute die Messe für Arbeitssicherheit. Aussteller aus der ganzen Welt aber auch aus China zeigen dort ihre Ideen und Produkten für Arbeitssicherheit.
Der Rest der Nachrichten berichtet über Hu Jintao. Hu Jintao und die Finanzkrise..
Hu Jintao auf Staatsbesuch. Interessant, er besucht Lateinamerika, genauer gesagt, Peru und Cuba. In Peru sagt er, er will die Beziehungen zu Lateinamerika verstärken. Hm, warum nicht? Die Beziehung zu USA ist nur in einer Richtung fruchtbar und die Wunden der Kolonialisierung sind noch lange nicht geheilt, also her mit den Chinesen! Und vielleicht lohnt sich doch eines Tages, dass ich chinesisch lerne. Weiter wird berichtet, Hu Jintao in Cuba. Treff mit Fidel Castro in Jogging Anzug. Besuch einer Schule, in der 5000 Chinesen Spanisch Intensivkurs machen. Die chinesische Studenten singen für Herrn Hu Guantanamera. Wie viele noch mal? 5000 Chinesen?! Ach so, hm, vielleicht lohnt es sich doch nicht, wenn ich chinesisch lerne.

Chinesische Schriftzeichen

Manchmal ist doch eine Logik dahinter und das Lesen erscheint einfacher als das Aussprechen. Die folgende Zeichen sind ein gutes Beispiel dafür:

上 Oben (shǎng) 下 Unten (xià) 中 Mitte (zhong)

上午 Vormittag (shǎng wǔ)
中午 Mittag (zhong wǔ)
下午 Nachmittag (xià wǔ)

上班 Mit der Arbeit anfangen (shǎng bān) 下班 Die Arbeit beenden (xià bān)
上课 Unterricht Anfang (shǎng ke) 下课 Unterricht beenden (xià ke)

上车 Einsteigen (shǎng chē) 下车 Ausstaigen (xià chē)

大 Groß (da) 小 Klein (xiǎo)

小学 Grundschule (xiǎo xué)
中学 Oberschule (zhong xué)
大学 Höhere Ausbildung (da xué)

Was kann also die Kombination von 马 Perd und Oben 上 heißen?
马上 (ma shǎng) heißt so viel wie Zu Pferd! Und benutzt man, wenn man es eilig hat. Hurtig, schnell!

Mittwoch, 12. November 2008

Das Schönheitsideal der Chinesen

Die Farbe des Prinzen

Gestern habe ich meine Lehrerin gefragt, ob es auf chinesisch ein Wort für den Traummann gebe. So was wie blauer Prinz. Ja, so was gibt’s.
Bei ma wang zi (Bei: weiß, ma: Pferd, wand: Koenig, Zi: Sohn)
Also weißes Pferd Prinz. Weil weiß e Pferde so selten sind, waren sie ein Status Symbol. Der Kaiser soll mit acht weißen Pferden geritten sein.
Und wie sieht dein weißes Pferd Prinz aus? Fragte ich sie. Die Frage passte zu dem Unterricht, denn wir hatten gerade Körperteile und Adjektive gelernt.
Sie lachte erstmal und dachte kürz nach. Dann sagte sie:
Mein weißes Pferd Prinz ist groß, groß. Er hat kleine, kleine Augen und er hat weiße, weiße Zähne.
Was woanders selbstverständlich ist, ist es hier nicht. Als Erklärung dafür gibt es verschiedene Theorien. Eine Kollegin meint, der Verbrauch vom belasteten Wasser verursacht die Verfärbung der Zähne sowie der frühere Zahnausfall.

Dürr soll die Prinzessin sein

Ich bin nicht besonders beleibt. Ständig müsste ich mich anhören wie dünn ich sei. Die Leute müssten mal hierher kommen um wirklich dünne Frauen zu sehen! Woran das liegt weiß ich noch nicht, denn wenn ich mir anschaue, was die Kollegen zu Mittag essen…
Letztens waren wir wieder in der Havana Bar um die neue Salsa Band aus Cuba kennenzulernen. Die zwei Sängerinnen haben sehr schöne Kurven! Meine Bekannte aus Deutschland fand sie auch deshalb besonders hübsch, weil hier solche schöne Kurven so selten sind. Eine der chinesischen Stammkundin dagegen sagte mir, die Sängerinnen essen aber zu viel! Eine andere beschwerte sich über die Kleider. Gestern habe ich mit der Vorgängerin, mit der kolumbianischen Sängerin telefoniert. Has Du Kontakt zu der neuen Band, fragte ich. Weißt Du ob sie sich gut fühlen? Also, hm, ich müsste letztens mit den Sängerinnen sprechen. Deren Chef, der auch unser Chef ist, hat mich darum gebeten, den Sängerinnen zu sagen, sie sollen weniger essen. Denn sie seien zu dick. Ich wollte das natürlich nicht tun, aber der Chef hat mich fast dazu gezwungen, denn er selber traute sich nicht dazu.

Bei der Arbeit - Kokosnusschen

Eine sehr nette chinesische Kollegin hat auch einen sehr interessanten Namen. Die meisten chinesischen Namen bestehen aus zwei kurzen Silben, eine für den Vornamen und eine für den Nachnamen. Ihr Name ist zweimal die gleiche Silbe und klingt wie „Coco“, was auf Spanisch Kokosnuss heißt. Kokosnuss ist sehr nett und jeden Tag gegen 15 Uhr packt sie was zum naschen aus. So lernte ich Brot mit Bohnen kennen, Reischips, Nüsse, eine seltsame Art von Kiwi, die im inneren rot ist. Kokosnusschen muss am Anfang lange überlegen bevor sie auf Englisch spricht. Mit jedem Tag aber klappt es aber besser.
Vor zwei Wochen war unser Training zu Ende und nun sind wir gespannt auf unsere Aufgaben. Meine Kollegen wurden zu Einzelgesprächen mit dem HOD eingeladen. Der HOD kommt aus Italien und spricht besonders schnell englisch.
Als ich zur Arbeit komme treffe ich meinen Kollegen. Er sieht ganz anders aus. Blass und extrem aufgeregt. Er hatte gerade sein Gespräch mit dem HOD aber er meint es sei gut gelaufen. Ich frage Kokosnusschen wie ihr Gespräch gelaufen ist. Mein Gespräch war schon letzte Woche, als Du krank warst. Es ist gar nicht gut gelaufen. Mein HOD sagte, er weißt nicht, ob er mich in sein Team haben will. Warum nicht? Er sagte, er will ein stabiles Team haben und dafür braucht er Leute, die in Xi’an bleiben werden. Und er glaubt nicht, dass in Xi’an bleiben werde. Warum nicht? Wegen meinem Freund in Deutschland. Er meint ich werde zu ihm gehen. Und woher weißt er von Deinem Freund? Frage ich. Er hat mich gefragt ob ich einen Freund habe, und was er macht und wo er ist. Und Du hast ihm alles erzählt? Ja. Hm… Außerdem sagte er, ich muss mein englisch verbessern. Er musste fast alles zwei mal sagen. Seit diesem Gespräch geht es mir gar nicht gut. Ich kann nicht konzentriert arbeiten. Danach fragte ich meine anderen Kollegen. Bei allen lief es ähnlich. Sie machten sich viele Gedanken, denn die Verständigung klappte nicht so 100%tig. Und willst Du nicht mit dem HOD sprechen? Ihm sagen, dass er sich diese Sorgen nicht machen muss? Sie sagte, sie will warten. Beim zweiten Gespräch ist der HOD besser drauf und ist gleich viel netter zu ihr. Du bist in meinem Team und Du bekommst gleich eine schwierige Arbeit. Wehe wenn Du mich enttäuschst! Sie lachen beide und Kokosnusschen ist wieder die alte.

Neulich bei der Massage

Die englisch Lehrerin der Firma kennt sich in Xi’an aus. Sie spricht auch sehr gut chinesisch und so hat sie mich in verschiedene Orte hingebracht. Sie erfuhr von der Neueröffnung eines Massage Lokals in der Nähe meiner Wohnung. Wir gingen nach der Arbeit dahin. Bereits vor dem Aufzug im ersten Stockwerk ging es los. Da war ein junger Mann mit schwarzem Anzug, der uns die Arbeit ersparte den Knopf zum dritten Stockwerk zu drücken. Im dritten Stockwerk ging die Tür des Aufzugs auf. Drei hübsche Chinesinnen in gelben schönen Anzügen blockierten den Ausgang des Aufzugs. „Herzlich willkommen“ sangen sie laut gleichzeitig. Dann herein mit uns. Nach ein Paar Schritten aus dem Aufzug hörten wir zwei laute Schläge an eine große Trommel. Ein Mädchen kümmerte sich um unsere Schuhe und gab uns Badelatschen. Ein anderes Mädchen fuhrte uns durch die Gänge. Nach jeder Abbiegung stand ein Mädchen da, bereit sich zu verneigen und uns „herzlich willkommen“ zu sagen.
Im Zimmer dann unterhielt sich meine Kollegin über das Angebot und die Preise. Das ist aber teuer! Na gut, wir nehmen eine einfache Fußmassage und Tee. OK. Wir machten uns bequem und warteten. Wir warteten über zwanzig Minuten. Wir sind auf der Warteschlange. Noch drei andere sind vor uns! Fand meine Kollegin heraus. Enttäuscht gingen wir. Wir bekamen unsere Schuhe und der Abschied war weniger pompös.
Tja, wir waren zur Eröffnung da. Wie viele andere auch. Und es gab zwar um jede Ecke ein Mädchen im Anzug aber nicht genügend Masseure.
Ein Paar Wochen später ging ich mit Georg dahin. Wieder mit Trommel willkommen geheißen. Alles lief gut. Wir warteten nicht lange und wurden gut massiert. Seltsam war nur, dass die Masseurin von Georg den Kopf schüttelte und lachte, wenn mein Masseur zu mir bzw. zu uns sprach. Hm.. wer weiß was er da sagt, dachte ich mir.
Vor ein Paar Tagen ging ich wieder mit meiner Kollegin dahin. Ich sagte ich will wieder den Masseur vom letzten Mal haben, den mit der Nummer 90. Den kriegte ich auch. Meine Kollegin unterhielt sich auf Chinesisch mit meinem Masseur. Sie sagte mir, der Junge spricht aber nicht normal. Ich verstehe ihn so schlecht.
Ich erzählte meine chinesisch Lehrerein über den Vorfall. Ich sagte ihr der Masseur hat seltsam gesprochen und meine Kollegin hat ihn sogar aufgefordert normal zu reden.
Da bricht meine Lehrerin in Lachen aus. Nach langem Lachen erzählte sie mir, dass wenn Chinesen Witze mit Ausländern machen, dann machen sie die Ausländer so nach, indem sie nur in einem Ton reden. Chinesisch hat ja vier Töne, die Ausländer können das aber nicht so gut, also beim Nachmachen eines Ausländers reden sie chinesisch so wie mein Masseur mit uns.

Sonntag, 9. November 2008

Unter dem Zauber der Persimone

Vor ein Paar Tagen fand ich auf meinem Schreibtisch eine seltsame Frucht. Groß wie eine Tomate und mit einer Farbe zwischen Orange und Rot. Mein Kollege erzählte mir, er hatte beim Universitätsgarten zwei „Persimonen“ gepflückt, eine für seine Frau und eine für mich. Mit meinem Mixer machte ich einen Saft aus der Persimone und einer Banane. Ein Genuss! Gestern Samstag mieteten wir einen Taxi um ein Paar der Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Xi’an zu besuchen. Vor dem Eingang zu dem Grabmal eines Kaisers waren ein Paar Frauen mit Körben voller Obst zum verkaufen. Zwei Frauen hatten Persimone in ihren Körben. Was kosten die Persimonen, fragten wir. Ich verstand nur die Zahlen eins und acht. Ein Yuen acht Persimonen?? Das kann doch gar nicht sein! Ich fragte die andere Frau mit den größeren Früchten. Sechs und sieben verstand ich. Hm.. ich nahm sechs schöne Persimonen in eine Tüte und bezahlte sieben Yuen. Ist das OK? Die Frau nickte.

Auf der Weiterfahrt rechnete ich nach. Wenn wir die Frau richtig verstanden haben und sie acht Persimonen für ein Yuen verkauft, dann bringen ihr die Persimonen in ihrem Korb gerade mal zehn Yuen, also ein Euro. Genauso viel, wie nachher die Räucherstäbchen zum Opfern im buddhistischen Tempel kosten.

Es ist ein schöner Herbstag. Die Sonne scheint und ein kühler Wind bläst. Die Landschaft wirkt eher trocken. Die meisten Bäume haben ihre Blätter verloren. Über die Pflanzen hat sich ein dünner Film Staub gelegt. Mitten in dieser herbst Landschaft fängt ein großer Baum meinen Blick. Wie ein prächtiger Apfelbaum nur mit schwarzem Stamm ohne Blätter und von den orangenfarbigen Persimonen voll behangen. Ein Gefühl wie bei der Kirschblüte im Frühling.

Das letzte Ziel unseres Ausfluges war wieder ein Grab. Diesmal das Grabmal einer Prinzessin. Das Grabmal bestand aus drei großen künstlichen Bergen. Ein Berg stellt den Kopf einer auf dem Rücken liegenden Frau dar. Zwei Berge stellen ihre Brüste dar. Auf dem Weg zu den Brüsten merkt eine Verkäuferin, dass ich Georg einen Persimonenbaum zeige und dass ich ein Photo vom Baum will. Sie stand auf und sagte etwas von dem ich nur das Wort „groß“ verstand. Sie deutete mir sie zu folgen. Sie nahm aus ihrer Hosentasche einen Schlüssel und öffnete das Schloss einer großen Tür. Die Tür zu ihrem Reich. Wir standen auf dem Hof ihres Hauses. Wie bei den Hobbits, waren die Schlaffzimmer wie Höhlen im Berg. Sie schenkte jedem von uns eine schone reife Persimone, von denen sie einige in ihrem Hof hatte. Sie zeigte uns, wie wir sie schälen sollten. Ihr Schlaffzimmer zeigte sie uns auch. Aus einem Schrank nahm sie einen roten Stofftiger. Mit Händen und Füßen erklärte uns, dass benutze man als Kissen. Ach soo! Sehr dankbar, mit zwei von ihr selbst genähten Stofftierchen und mit orangenfarbigen Flecken in den Händen und um den Mund sagten wir Auf Wiedersehen und gingen weiter.

Dienstag, 4. November 2008

Deutscher Stammtisch in Xi'an

In Xi’an gibt es einen Deutschen Stammtisch! Ein mal im Monat trifft man sich zum essen. Jeder, der deutsch sprechen kann, ist eingeladen. Ich war schon zwei mal da. Beim ersten Mal waren es um die 14 Leute. Drei Herren von der Deutsche Bahn, die hier bei dem Bau einer Schnellzugstrecke beraten. Drei Sprachlehrerinnen und Ingenieure. Die chinesische Freundin eines Ingenieurs aus dem Schwabenlandle war auch da.
Ein neuer kommt an und stellt sich vor. Er geht zu allen, schüttelt mit jedem die Hand und sagt Guten Tag. Als er bei mir ankommt sagt er dann „Good Evening“. Ähh… Tja, woher soll er denn bitte wissen, dass ich deutsch spreche? Sehe ich etwa so aus? Ich lachte nur und konnte nichts sagen. 
Ein netter Herr von der Deutsche Bahn erzählte lustige Anekdoten. Er war stolz, weil er mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu der Terrakotta Arme gefahren ist, nur mit dem Wörterbuch bewaffnet. Respekt! Die meisten lassen sich im Hotel ein Taxi organisieren, der sie hin und heil wieder zurück bringt.  Dann erzählte er auch, wie er beim Einkauf von Bettwäsche von mindestens zehn Chinesen umringt wurde, die alle in sein Wörterbuch geschaut haben und alle mit dem Verkäufer und mit ihm gesprochen haben, um zu helfen.  Es war ein netter Abend. Zum essen gab es sogar Spätzle und Auflauf!


Beim zweiten mal gab es mehr Leute. Wir trafen uns im neu eröffneten Paulaner! Ich saß am Tisch mit zwei neu angekommenen Lektoren. Und was macht ein Lektor? Vorlesungen halten. Aha, … der jüngere Lektor erzählte, seine chinesische Kollegen wollen ihn als Deutschlehrer missbrauchen, und dass auch vier Stunden pro Tag! Das würde ich gar nicht mit machen, sagte der ältere Lektor. Ich habe sie schon auf drei Stunden pro Tag runtergehandelt… 
Dann ging es irgendwann um Entwicklungshilfe. Die Gelder für Entwicklungshilfe werden gekürzt, sagte der ältere Lektor. - Macht eigentlich Sinn, wenn sie sich so teure Olympische Spiele leisten können! - Beides darf man gar nicht im selben Kontext bringen! Hm..

Danach kam eine Gruppe Austausch Studenten aus Stuttgart, mit denen ich mich den Rest des Abends unterhalten habe.

Ihr studiert hier? – jawohl zwei Semester lang.
Und habt ihr Vorlesungen auf englisch oder auf chinesisch? – auf Chinesisch
Wirklich? Aber das muss verdammt schwer sein, mitzukommen! – ja, man muss jeden Tag sehr viel Zeit damit aufbringen nachzulesen.
Aber, man erkennt in einem Satz nicht einmal wo ein Wort anfängt und wo ein Wort endet! – mit der Zeit erkennt man das schon.
Nicht schlecht! Und musst ihr auch marschieren? – wir marschieren auch, aber in die Kneipe. Aber unsere Kollegen müssen das. Ich habe sogar Fotos. Schau. 
Und schläft ihr auch in so eine Schlafsaal mit anderen Studenten? – nein wir haben besondere Bedingungen. Wir teilen uns zu zweit eine Wohnung, wie die Lehrer auch. 
Aha, und stimmt es, dass sechs Studenten sich ein Zimmer teilen müssen? – Ja das stimmt, das ist wie in diesem berühmten Gefängnis. Wie heißt er noch mal? Berlin Moabit.
Und geht ihr manchmal mit den chinesischen Studenten auf ein Bier? – manchmal auch auf zwei!

Und weil ein Austausch Studium nicht Herausforderung genug ist, bereiste einer der Studenten, Roland, in den Sommerferien Laos, Kambodscha, Thailand und Vietnam. Alles mit Zug und Bus. Das Visum gab es an der Grenze. Um das Hotel kümmert man sich vor Ort!  Mehr dazu auf www.dc-netzwerk.de 

Die Hochzeit meines besten Freundes

Eigentlich habe ich hier so was wie ein bester Freund noch nicht. Dafür bin ich noch zu kurz hier. Aber ich habe einen Kollegen, den ich sehr schätze, „Li“. Wir saßen im Training neben einander und während der praktischen Übungen haben wir über dies und jenes geredet. Über emanzipierte Panda Bärinnen, über Lasagne und Spaghetti, über Frosch Rezepte, über den Sensemann und was weiß ich noch.
Nun eines Tages im September ist er etwas früher ins verlängerte Wochenende gegangen. Er sagte einfach „see you next week“. Als er aus dem Zimmer war sagten mir die anderen Kollegen, der Kollege müsse seine Eltern abholen, denn sie kommen nach Xi’an, um alles für die Hochzeit zu regeln. Was?! Er will heiraten? Ja, alles ist in trockenen Tüchern. Ich wunderte mich, dass er mir nichts erzählt hatte und fragte ihn deshalb nicht. Ich wollte warten, bis er das erzählen mag. Eines Tages fand ich Süßigkeiten auf meinem Schreibtisch. Jemand hat geheiratet, hieß es. 
Ich habe heute Süßigkeiten auf meinem Schreibtisch gefunden! – sagte ich ihm
Hast Du auch welche bekommen? - Nein, ich habe keine Süßigkeiten bekommen.
Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man möchte Dir keine geben, oder DU hast die Süßigkeiten verteilt. - Nop, ich habe sie nicht verteilt. Irgendeiner mag mich wohl nicht.

Nun, heute war ich essen mit einem anderen Kollegen und ich fragte ihn ein bisschen aus. Wie lange bist Du verheiratet? - Seit Juni 2008. 
Echt wow, frisch verheiratet. Wo habt ihr Euch kennengelernt – In der Uni.
Wie alt ist Deine Frau? – wir sind gleich alt, 27
Uhm hm, und wo arbeitet Deine Frau? – bei Fa. So und so.
Uhm hm, und kocht Deine Frau? - Nein, wir beide kochen nicht. 
Kauft ihr das Essen dann? - Ne, ihre Eltern kochen. 
Ach so. Und wer von Euch verdient besser? - Ich! 
Uff, sehr gut! Je, je, Und habt ihr gefeiert? 
Ne, noch nicht. Haben nur den Schein geholt aber noch nicht gefeiert. Wir sind in der selben Situation wie Li.
Was Li hat schon geheiratet? - Ja!
Wann hat er denn geheiratet? - Schon vor einem Monat. An dem langen Wochenende. Haben wir dir doch erzählt.
Echt? Ich dachte die wollten das besprechen! Wahnsinn. Aber keiner hat was gesagt. Gratuliert man nicht in China, wenn man heiratet? - Erst bei der Feier. 
Ach so.

Unterhaltungen

Welchen Ruf haben die Latinos hier in China, fragte ich einmal. - They are passionate.           Wieso denn das? - Wegen der Musik.    Aha.. und sagt man bei Euch nicht, Latinos sind faul und sonnen sich den ganzen Tag auf der Hängemate? - Was, nein! (Mein Kollege versucht dabei nicht so viel zu lachen) Wieso des denn. Ist nur so ein Vorurteil. - Hm, aber das ist eigentlich kein schlechter Lebensstil. 


Geht ihr manchmal in Western Restaurants essen? werde ich gefragt.
Ab und zu, ja. sog i
Hm, ich war gestern in einem Italienischen Restaurant am Glockenturm. Das war soo lecker!
Ach kenne ich. Und was hast Du gegessen?
Hm, ich habe den Namen vergessen. Aber es war mit einer sehr leckeren Füllung. Und der Teig war eckig.
Ach so, Lasagne, wahrscheinlich.
Wie heißt das noch mal?
Lasagne. (Ich schreibe es auf) 
Kannst Du das kochen? 
Klar. Nur die Blätter muss ich kaufen. und man brauch einen Backoffen.. Spaghetti gehen leichter, die kann ich auch.
Spa, was? Spaghetti. Die langen dünnen. (ich schreibe es auch auf)
Hm, das mag ich auch!
Kuerzer Zeit später schaue ich von meinem Bildschirm weg und merke wie mein Kollege die aufgeschriebenen Wörter wieder und wieder leise vorliest. Spa ghee ti, Bo lo gne se. Spa ghee ti, Bolo gnese.