Dienstag, 4. November 2008

Deutscher Stammtisch in Xi'an

In Xi’an gibt es einen Deutschen Stammtisch! Ein mal im Monat trifft man sich zum essen. Jeder, der deutsch sprechen kann, ist eingeladen. Ich war schon zwei mal da. Beim ersten Mal waren es um die 14 Leute. Drei Herren von der Deutsche Bahn, die hier bei dem Bau einer Schnellzugstrecke beraten. Drei Sprachlehrerinnen und Ingenieure. Die chinesische Freundin eines Ingenieurs aus dem Schwabenlandle war auch da.
Ein neuer kommt an und stellt sich vor. Er geht zu allen, schüttelt mit jedem die Hand und sagt Guten Tag. Als er bei mir ankommt sagt er dann „Good Evening“. Ähh… Tja, woher soll er denn bitte wissen, dass ich deutsch spreche? Sehe ich etwa so aus? Ich lachte nur und konnte nichts sagen. 
Ein netter Herr von der Deutsche Bahn erzählte lustige Anekdoten. Er war stolz, weil er mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu der Terrakotta Arme gefahren ist, nur mit dem Wörterbuch bewaffnet. Respekt! Die meisten lassen sich im Hotel ein Taxi organisieren, der sie hin und heil wieder zurück bringt.  Dann erzählte er auch, wie er beim Einkauf von Bettwäsche von mindestens zehn Chinesen umringt wurde, die alle in sein Wörterbuch geschaut haben und alle mit dem Verkäufer und mit ihm gesprochen haben, um zu helfen.  Es war ein netter Abend. Zum essen gab es sogar Spätzle und Auflauf!


Beim zweiten mal gab es mehr Leute. Wir trafen uns im neu eröffneten Paulaner! Ich saß am Tisch mit zwei neu angekommenen Lektoren. Und was macht ein Lektor? Vorlesungen halten. Aha, … der jüngere Lektor erzählte, seine chinesische Kollegen wollen ihn als Deutschlehrer missbrauchen, und dass auch vier Stunden pro Tag! Das würde ich gar nicht mit machen, sagte der ältere Lektor. Ich habe sie schon auf drei Stunden pro Tag runtergehandelt… 
Dann ging es irgendwann um Entwicklungshilfe. Die Gelder für Entwicklungshilfe werden gekürzt, sagte der ältere Lektor. - Macht eigentlich Sinn, wenn sie sich so teure Olympische Spiele leisten können! - Beides darf man gar nicht im selben Kontext bringen! Hm..

Danach kam eine Gruppe Austausch Studenten aus Stuttgart, mit denen ich mich den Rest des Abends unterhalten habe.

Ihr studiert hier? – jawohl zwei Semester lang.
Und habt ihr Vorlesungen auf englisch oder auf chinesisch? – auf Chinesisch
Wirklich? Aber das muss verdammt schwer sein, mitzukommen! – ja, man muss jeden Tag sehr viel Zeit damit aufbringen nachzulesen.
Aber, man erkennt in einem Satz nicht einmal wo ein Wort anfängt und wo ein Wort endet! – mit der Zeit erkennt man das schon.
Nicht schlecht! Und musst ihr auch marschieren? – wir marschieren auch, aber in die Kneipe. Aber unsere Kollegen müssen das. Ich habe sogar Fotos. Schau. 
Und schläft ihr auch in so eine Schlafsaal mit anderen Studenten? – nein wir haben besondere Bedingungen. Wir teilen uns zu zweit eine Wohnung, wie die Lehrer auch. 
Aha, und stimmt es, dass sechs Studenten sich ein Zimmer teilen müssen? – Ja das stimmt, das ist wie in diesem berühmten Gefängnis. Wie heißt er noch mal? Berlin Moabit.
Und geht ihr manchmal mit den chinesischen Studenten auf ein Bier? – manchmal auch auf zwei!

Und weil ein Austausch Studium nicht Herausforderung genug ist, bereiste einer der Studenten, Roland, in den Sommerferien Laos, Kambodscha, Thailand und Vietnam. Alles mit Zug und Bus. Das Visum gab es an der Grenze. Um das Hotel kümmert man sich vor Ort!  Mehr dazu auf www.dc-netzwerk.de 

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