Sonntag, 20. Dezember 2009

Rückblick

Hm… einige Monate ist es her seit meinem letzten Eintrag. Nun was ist in letzter Zeit alles passiert? Hier ein kurzer Rückblick.

April
Kurze Reise in den Nordöstlichen Ende Chinas, Dung Huang. Mehr zu diesem faszinierenden Ort in einem eigenen Beitrag.

Jubiläum
Ich bestand im Juli den Härtetest, nachdem ich ein Jahr in Xi’an geschafft habe! Das hätte ich selber am Anfang nicht für möglich gehalten. Tja, und das ist schon wieder fünf Monate her.

Der Sommer
Der Sommer brachte viel Tageslicht und erstaunlich oft einen klaren Himmel. Das war ein Segen, nicht nur wegen dem Sonnenlicht, sondern auch wegen der Möglichkeit etwas Sport zu treiben. Ich ging oft in den Park joggen und gelang langsam zu meiner alten Kondition. In den Abenden der heißeren Sommer Nächten war das Joggen ein Erlebnis, weil so gut wie alle Chinesen aus der Umgebung ebenfalls abends raus gingen. Der Park war bis spät in der Nacht ganz schon lebendig. Kinder mit Skateboard und Opa laufend und schnaufend hinterher. Oder Kinder, die Rollschuhfahren übten, auch Mamas am quatschen und Papas, die auf der Wiese saßen, den Bauch und Baden belüfteten und sich wohl Witze erzählten.
Darüber hinaus habe ich habe meinen Geruchssinn weiter sensibilisiert. Einmal tief einatmen und ich weiss wie die Luft ist. Schlecht, verdammt schlecht, geht so, gut. Gut?? was? moment mal, nochmal einatmen.

Herbst
Ich nahm am Xi’an City Wall Marathon teil, bei dem eigentlich nur 13,9 Kilometer zu laufen waren, die mir aber trotzdem vollkommen ausreichten. Ich kam zum Ziel! :)
Kurz danach war es schon wieder vorbei mit dem Sport draußen. Es ist kalt und auch neblig so dass ich es kaum aus dem Bett schaffe.
Die Kälte brach ein und Anfang November war Xi’an mit Schnee bedeckt. Sch.. Kälte und Schwierigkeiten mit dem Verkehr, aber zum Glück wohne ich nur 30 min zu Fuß von der Arbeit.

Dezember
Keine Weihnachtsstimmung :( Fast! Denn ich bin stolzer Besitzer des wahrscheinlich einzigen aber mir Sicherheit schönsten Adventskalender in ganz Xi’an, wenn nicht in ganz China, der mir vor kurzem per Post geliefert wurde! Mitte Dezember, so dass ich noch etliche Fensterchen zur richtigen Zeit öffnen kann!

Zona Libre
Fuer ein langes Wochenende bin ich nach Taipei geflogen. Wahnsinn, ich fuehle mich hier viel naeher an zuhause. Dabei ist es geografisch gesehen nicht der Fall. Mein Blog stellt hier anscheinend keine Gefahr fuer die Bevolkerung und ich kann ohne weiteres mein unsinn hier verbreiten.

Und was jetzt?
Dann geht es zurueck nach Xi'an und bald gibt es von dort einen neuen blog.
Noch ist es leer, aber bald nicht mehr.

flech wie Oskal








Letztens sind wir in das wunderschöne Zhang Jia Jie gefahren. Obwohl diese Gegend beliebt ist unter Touristen trafen wir während den ganzen vier Tagen nur einen einzigen Ausländer, der im selben Hotel übernachtet hat.
Das Hotel hieß So und So International. Nun ich will nicht sehr darauf eingehen, aber die Empfangsdamen verstanden mich besser auf chinesisch als auf englisch und es gab keinen einzigen Fernsehsender auf englisch. So viel zum Thema international. Dann hieß es in der Beschreibung im Internet, das Hotel habe ein chinesisches und ein Western Restaurant, Schwimmbad und Fitnesszentrum. Die Gäste werden vom Flughafen abgeholt und wieder hingebracht.
Das Hotel hatte in der Tat einen chinesischen Restaurant. Das Fitnesszentrum war noch nicht fertig gebaut worden, hieß es, genauso wie das Schwimmbad, nur wir könnten auch nicht erkennen, wo das Schwimmbad (wenn überhaupt in ferner Zukunft) gebaut werden sollte.
Tja,… Georg äußerte nur knapp sein Missfallen an der Situation aber die Damen und der junge Mann der englisch sprechen konnte waren so freundlich, dass wir die Sache dabei belassen.
Die ersten zwei Tage verbrachten wir in dem riesigen Park. Ich muss sagen so viele kleine bunte Tiere hatte ich noch nie gesehen. Viele Schmetterlinge, Hundertfüßler, Käfer, Libellen, Vögel etc. Auch die Geräusche waren mir neu. Irgendein Viech machte einen Megakrach. Ich wusste nicht, ob es sich dabei um einen Hupfer oder um einen Vogel handelte. Selbst eine Schlange im Wasser haben wir gesehen.
Erstaunlich dabei, dass ich wie gelähmt war von dem Anblick. Bisher hatte ich Schlangen nur im Zoo oder im Fernsehen gesehen und ich fand sie nie schön. Aber da schwamm eine und ich wundere mich bis heute, weil ich die so schön fand, genauso wie die Art sich zu bewegen. Ich rief laut zu Georg, damit er sie auch sieht und leider haben andere Leute mich gehört und kurze Zeit später warf ein Junge Steine auf die Schlange. Ich schrie etwas aber ich konnte mich ja nicht verständlich ausdrücken…
Nach 7 Stunden pro Tag Wandern waren wir am dritten Tag am Ende. Wir bestellten einen Taxifahrer, der uns zu den gemütlichen Sehenswürdigkeiten bringen sollte. Der Taxifahrer meinte, wir sollen die Eintrittstickets bei ihm kaufen. Es sind die gleiche Tickets! Kosten auch genauso viel. Etwas misstrauisch sagten wir OK. Auf dem Weg in den Park blieb der Taxifahrer vor einer Baustelle stehen und hupte. Einer der Arbeiter kam zu uns und gab ihm zwei Tickets. Im Park begleitete uns der Fahrer bis zum Ticketschalter und zwinkerte dem Mädchen, das uns reinließ. Wir gingen raus und ließen uns zur nächsten Sehenswürdigkeit bringen. Die Tickets hatte der Fahrer schon und wir hatten noch mal die gleiche Prozedur am Ticketschalter. Weil es noch früh war wollten wir noch woanders gefahren werden. Keyi! Geht! Sagte der Taxifahrer. Leider war auf dem Weg dahin ein Unfall gewesen und wir mussten fast eine Stunde warten bis die Straße wieder frei war. Im Parkplatz bezahlte ich den Taxifahrer und ich sagte ihm, er solle auf uns warten und uns zurück zum Hotel bringen.
Als wir rauskamen war er natürlich… nicht da. Ans Telefon ging er auch nicht, so dass wir einen anderen Taxi nehmen mussten. Nicht so schlimm, war ja nicht so weit, aber Georg belehrte mich gleich: erst am Ende soll ich zahlen! Ok, das nächste mal.
Am nächsten Tag war Abflugtag. Ich ging zur Rezeption und fragte. Kein Problem hieß. Sie helfen mir einen Taxifahrer zu organisieren. Der selber Taxifahrer, der uns da stehen ließ kam und versuchte mich nicht anzuschauen. Amüsiert hörte ich zu, wie er und die Dame des Hotels verhandelten. Er will 150 RMB statt 120RMB. Dies seien Waiguoren (Ausländer) und die verstehen ja gar nicht. Außerdem hatte er gestern mit uns einen Preis ausgehandelt und wir hätten ihm ja eine Stunde länger als ausgemacht beschäftigt. Ich wollte nicht intervenieren, denn die Unterhaltung war ja so interessant! Ok, 150 RMB sagte die Dame. Ich fragte nur, wer die 150 RMB zahlen soll. Sie, natürlich! Sagte sie. Da war es dann Schluss mit Lustig und ich ließ den jungen Manager anrufen, der englisch sprechen kann. Ich sagte ihm, ich sei sehr enttäuscht und unzufrieden, legte auf und ging ins Zimmer. 10 Minuten später riefen sie an und sagten alles sei geklärt und alles wird nach unseren Wünschen laufen. Wieder an der Rezeption waren alle hübsche Mädels wieder am so schön Lächeln. Sie fragten mich was, worauf ich auf englisch antwortete, da sie mich nicht verstanden sagte ich es noch mal auf chinesisch. Ich wurde verstanden! Eins der Mädels antwortete mir darufhin auf waiguorenisch. Also auf chinesisch, nur dass sie dabei so sprach, wie vermeintlich alle Waiguoren sprechen. Nur im ersten Ton. Alle anderen fanden das so lustig und selbst der Manager konnte sich das Lachen nicht verkneifen. Ich konnte nicht mehr staunen! Ist das nicht frech?
Die lange Fahr zum Flughafen und auch die ganze Zeit danach hat nicht genügt. Immer noch begreife ich nicht, was hierzulande als frech gilt und was nicht! Bzw. das macht man, das macht man nicht.






Sonntag, 7. Juni 2009

Hua Shan

Es heißt, manche Berge sind so hoch, dass sie bis zum Himmel reichen. Es heißt auch, diese Berge würden den Himmel stützen. Die Taoisten erklärten bestimmte Berge als heilig. Einer davon ist der Hua Shan. Dieser liegt ca. 120 Kilometer von Xi'an entfernt und ist als Tagesausflug sehr gut zu erreichen.

Ich fragte Kollegen und Bekannte, was ich für den Besuch des Berges beachten sollte. Ein Kollege erzählte mir, jedes Jahr sterben dort Wanderer oder Bergbesucher und vor einigen Jahren gab es sogar ein schlimmer Unfall. Ein ungesicherter Besucher rutschte aus und nahm mehrere mit sich runter, denn es war zu der Zeit des Frühlingsfestes und die zahlreichen Besucher drängten aneinander.
Ein anderer Kollege empfahl mir nachts hoch zu wandern, denn der Sonnenaufgang auf dem Gipfel sei besonders schön. Man könne da oben warme Kleidung mitten, und so muss man nicht so viel hoch tragen. Er hätte das schon mal gemacht und es habe sich auf jedem Fall gelohnt. Nur leider hatte er anschließend drei Tage im Bett mit einer starken Erkältung verbringen müssen. Wahrscheinlich waren die Anstrengung und der Schlafmangel doch zu viel gewesen. In einem Punkt waren sich aber alle einig, es ist sehr anstrengend und teilweise gefährlich. Die Seilbahn sei komfortabler!

Oben angekommen, oder besser gesagt aus der Seilbahn ausgestiegen, kann man doch noch viel Zeit beim Wandern verbringen, denn der Hua Shan besteht aus fünf Gipfeln. Als wir oben ankamen war es schon fast mittags. Wir suchten uns einen Platz zum Mittagessen und studierten dabei die Hua Shan Karte. Während ich so da saß und mein Proviant aß, kamen zwei junge Chinesen und fragten Kristina, ob sie sich mit ihr fotografieren lassen könnten. Nach den Jungs wollte dann noch eine kleine Familie ebenfalls Kristina auf dem Familienfoto haben. Irgendwann musste sie „Nein, ich will nicht“ sagen, denn sonst hätte sie nicht aufessen können.

Bereits während der ersten Metern fühlte sich mein Herz nicht so gut an. Ich stellte mir vor, so muss sich eine tief in der Einkaufstüte eingepackte Tomate auch fühlen: kurz vor dem Platzen! Der Weg war so eng und rechts und links ging es verdammt tief runter. Es gab zwar Absicherungen rechts und links aber ich hatte trotzdem Angst, vor allem nachdem mich ein Paar Besucher aus versehen anschoben (weil man schaut hier die schoene Landschaft aber nicht nach vorne, ob da jemand langsam lauft).

Zu Beginn des Rundgangs kann man dieses Schild sehen. Zuerst machten wir uns lustig über den letzten Satz: The bottom is bottomless. Nun jetzt denke ich, dass kein anderer Satz die Landschaft besser beschreiben könnte, denn egal wo man ist, wenn man runter schaut, man kann den Boden nicht sehen!

Wie hierzulande so üblich, war der Wanderpfad eigentlich ein Treppenweg. Endlos viele, niedrige und nicht besonders breite Treppen.

Fast beeindruckender als der Berg selbst war der Anblick von den Trägermännern. Ältere und nicht besonders kräftig aussehende Männer, die verschiedene Produkten von ganz unten bis in die Gipfelunterkünfte trugen. Sie mussten nicht nur die schwere Last hoch tragen, sie mussten auch noch dabei auf sich selbst und auf die anderen aufpassen, denn Chinesen verhalten sich auf dem Wanderweg ebenso wie auf den Strassen, als gebe es niemanden mehr.

Wenn die Last nicht so schwer ist, oder wenn sie wieder auf dem Rückweg sind, dann wird musiziert. Der eine singt, der andere spielt eine kleine Flöte. Ich habe nicht verstanden was sie gesungen haben, aber es war wohl lustig, denn die chinesischen Besucher fingen an zu lachen und zu klatschen. Ich fand den Gesang sehr schön. Energisch und fröhlich. Man kann sich nur freuen und wundern, wenn man sieht, dass nach so einem harten Arbeitstag die Träger noch in der Lage sind, sich selbst und andere zu erfreuen.

Bilder

Bilder 2

Bilder 3

Bilder 4

p.s. Da dieses Blogspot nicht zugelassen, ist das Hochladen von Bildern nicht moeglich, deshalb hier nur die Links auf flickr

Die große Treppe

Nun sieht es so aus, als wäre die große Mauer doch nicht so ganz dicht. Inzwischen habe ich erfahren, dass es einige Möglichkeiten gibt sie durchzuqueren, einige komfortabler als andere. Man kann sich auf der Suche nach einem Schlüpfloch machen. Dann, wenn das Schlüpfloch geschlossen wird, dann muss man wieder ein anderes suchen. Etwas lästig dachte ich mir. Andere dachten auch so und entwickelten eine angenehmere Lösung, die quasi diese Arbeit übernimmt.

Mittwoch, 20. Mai 2009

The great wall of china

Die große Mauer, die das chinesische Reich vor Bedrohungen aus dem Norden schützen sollte, ist ja allgemein bekannt. Nun, als great wall of china wird auch was anderes bezeichnet. Nämlich die virtuelle Mauer, die das heutige Volk vor Gefahren aus dem Internet schützen sollte. Als ich herkam und Bloggerin werden wollte, hörte ich, dass Blogs unerwünscht bzw. nicht erreichbar sind. In der Tat ist es so. Blogs mit **.blog.** als Adresse werden blockiert. Gut, dass nicht alle Blogs so eine Adresse haben.

Nun, die chinesische Mauer ist ja stückweise gewachsen. Auf einmal ist keins der Blogs vom Blogspot Portal mehr erreichbar… Sniff, sniff.

Dieser Eintrag ist nur deshalb erschienen, weil ich jemanden auf der anderen Seite der Mauer darum gebeten habe, sich in meinem Blog anzumelden und diesen Text zu veröffentlichen. Danke Bruderchen!

Nun, aus diesem Grund gestaltet sich die Bloggerei etwas schwierig. Wenn ich nicht einen Umweg finde, dann wird das wohl mein letzter Eintrag in diesem Portal sein. So’ne Kake!

Montag, 13. April 2009

Großes weites Land

Wie gut sind die Erdkunde Kenntnisse? Schauen wir mal mit den folgenden Fragen:
In welchem Land liegt der Himalaya? Ist das ein Berg oder ein Gebirgssystem? Und liegt der höchste Berg der Welt auf einem einzigen Land oder liegt er im Grenzgebiet zweier Länder? Wenn ja, welche Länder sind das?
Nun, es ist schon lange her, da habe ich mich mit meinem Kollegen über den Mount Everest unterhalten. Er sagte, der höchste Berg der Welt liegt auf China. Ich erinnerte mich an die vielen Fernseherreportagen über die Steigung dieses Berges. Die Bergsteiger gingen zuerst nach … (war das nach China? Wieso hatte ich das noch nie gehört). Ich sagte nichts und stattdessen schaute in Google Maps nach. Man kann ja sogar Höhenlinien zeigen lassen und man sieht mit Google.cn ganz eindeutig, dass der höchste Punkt auf der rechten Seite der Grenze liegt, also auf chinesischem Gebiet. Ein großer Teil des Berges streckt sich über dem Nachbarnland. Ich zeige das Bild meinem Kollegen. „Yes, the mountain belongs to China and to a small neighbor country“. Als ich am Abend etwas entsetzt dem Georg erzählte, mein Kollege wusste nicht, welches Land sich den Mount Everest mit China teilt, fragte er mich: Wie viele Nachbarnländer hat Kolumbien. Fünf! Sagte ich schnell. Welche? Venezuela, Ecuador, Brasil, Peru und ähh… Brasil. Hattest Du schon. Ähh, … Ich fing an zu schwitzen und brauchte eine Weile bis mir wieder einfiel. Wir fanden im Internet eine Seite mit den Nachbarnländern aller Länder. Sachen gibt es…
Da war China an der ersten Stelle mit 15 Nachbarn. Ich musste zu meiner Schande feststellen, dass ich einige der Namen zum ersten mal sah.
Ich fing an zu grübeln. Ich erinnerte mich an meine Schulzeit. Es war so langweilig die Namen aller Präsidenten auswendig zu lernen. Zu der Amtszeit vom Präsident Pinilla entstand in Kolumbien mit Hilfe Deutschlands die erste Lateinamerikanische Fluggesellschaft Avianca. Mehr blieb nicht hängen… Mit Erdkunde war es einfacher, denn Kolumbien ist ja nicht so groß.
Nun China hat eine tausendjährige Geschichte. Ich weiß nicht wie viele Dynastien. Jede Dynastie dauerte lang genug und hatte einige Kaiser. China hat mehr als 30 Provinzen und viele davon sind großer als ein europäisches Land. Darin alle mögliche klimatische Zonen und Landschaften enthalten sowie über 50 verschiedene Völker. Als wäre das nicht genug müssen die Kinder die Schrift lernen. Die Tausende von Charakteren in den verschiedenen Entwicklungsstadien der Schrift, denn die Schrift hat sich geändert mit der Zeit. Mein Kollege zeigt mir und erzählt mir mit Freude, wie ein Zeichen früher aussah, wie man das sonst schreiben kann, zum Beispiel bei der Kaligrafie. Und ich muss staunen.
Meine Lehrerin sagte mir, sie lernte gerne Geschichte, denn damals sei China so mächtig gewesen. Zur Zeit der Tang Dynastie. Und die Geschichte der letzen Jahrzehnten sei ja nicht so schwierig. Da regierte viele Jahre derselbe. Und Religion Unterricht gab es auch nicht mehr, sonst wären die 108 verschiedenen Budhas und die unzähligen Budhas Begleitern auch noch dran gewesen.

Samstag, 11. April 2009

Am Rande der Legalität

Hierzulande muss man auch Steuer bezahlen. Wenn man bei einer Firma angestellt ist, dann wird die Steuer automatisch vom Gehalt abgezogen. Im Restaurant ist es so, dass der Restaurantbesitzer nur dann Steuer zahlt, wenn der Kunde dafür sorgt. Dafür muss der Kunde nach Bezahlen der Rechnung nach ‚Fapiao’ fragen, also nach Steuerscheine. Um den Kunden zu motivieren kann man in den Steuerscheinen ein kleines Feld freirubeln. Manchmal kann man 5 oder 10 Yuan gewinnen. Wenn man nach Fapiao fragt, kann es passieren, dass die Kellnerin statt mit Fapiaos mit einer Dose Cola zurückkommt. Fragt man noch mal, dann kann die Kellnerin mit einer Flasche Schnaps zurückkommen, je nachdem ob die Rechnung hoch ist. Wenn man eine Wohnung sucht, dann variiert der Preis um 15 bis 20% je nachdem, ob man vom Vermieter Steuerscheine will oder nicht.

Ich bekam einige Stunden Chinesisch von der Firma bezahlt. Ich suchte mir meine Lehrerin aus, und sie müsste einen Vertrag mit der Firma abschließen. Eines Tages fragte ich sie, ob sie das Geld von der Firma schon bezahlt bekommen hatte. Sie sagte, sie muss zuerst Steuern bezahlen, dann kann sie mit dem Nachweis über die Bezahlung in die Firma gehen und dann wird ihr das Geld überwiesen. Mir kam das seltsam vor und ich fragte sie, ob sie bei dem vorherigen Arbeitgeber das auch so gemacht hat. Nein, sagte sie. Denn in der Sprachschule, wo sie als Chinesisch Lehrerin gearbeitet hat, wurde ihr das Gehalt bar bezahlt. „Ich glaube, die Sprachschule bezahlt keine Steuern“ sagte sie.

Letztens lernte ich einen jungen Deutschen kennen, der letztes Jahr bei meiner Lehrerin in eben dieser Sprachschule 4 Monate lang chinesisch gelernt hat. Er kam dieses Jahr noch mal für 3 Wochen, allerdings nicht nach Xi’an sondern in eine Sprachschule in Kungming. Er erzählte er hatte Schwierigkeiten mit dem Visum diesmal, weil letztes Jahr in X’an wurde sein Touristenvisum 3 mal verlängert. Verlängert? Geht das? Und wieso hattest Du denn ein Touristenvisum überhaupt? Ja, weil ich glaube die Sprachschule ist nicht ganz legal und kann keine Studentenvisa vergeben. Der Leiter der Schule ist jedes Mal mit mir zum Amt gegangen und sagte dem Angestellten „Ja, das ist ein sehr guter Freund von mir und er möchte noch ein Bisschen länger hier bleiben!“.

Donnerstag, 9. April 2009

Nanjing – Die Hauptstadt des Südens

Vor ein Paar Wochen waren wir für ein langes Wochenende in Nanjing.
Nanjing war noch vor der Vereinigung Chinas eine wichtige Stadt. Dann in der Ming-Zeit wurde Nanjing als Hauptstadt ernannt. Die Stadt bekam eine große Stadtmauer, Paläste, Tempeln etc. In der Qing-Zeit wurde Nanjing wieder Regierungssitz und hier wurde der Nanjing Vertrag unterzeichnet, welcher England das Recht auf Opiumhandel gab.
Später wurde Nanjing die Hauptstadt der Republik China. Als wäre das nicht genug Ruhm und Geschichte, wurde Nanjing Kriegshauptstadt während des Japanisch-Chinesischen Krieges. Die Besetzung der Stadt durch die Japaner ging dann in die Geschichte (Nanjing Massaker 1937). Jetzt ist Nanjing nur noch eine Provinzhauptstadt und ein beliebtes Ziel für Touristen.

Vom Flugzeug aus sieht man wie sich Wasser Kanäle durch die Stadt schlängeln. Eine der Hauptattraktionen ist eine Bootsfahrt! Abends, wenn die Häuser rechts und links der Kanäle beleuchtet werden, ist die Bootsfahrt besonders schön. Tagsüber kann man viel Zeit beim Schlendern durch die Gassen verbringen.

Das Sun YanSet Mausoleum befindet sich auf dem höchsten Punkt eines Berges. Wenn man die vielen Treppen geschafft und die Aussicht genossen hat kann man sich in das eigentliche Mausoleum mit vielen anderen Besuchern rein drängeln. Dann läuft man schritt für schritt ganz eng nebeneinander und man kann dabei mit Glück ein Blick auf den Sarg in der Mitte des runden Raums werfen. Dann wird man wieder raus geschleust.

Die Stadtmauer ist leider nicht komplett vollständig, aber ein doch großer Teil ist in gutem Zustand. Von der Stadtmauer aus kann man in ein von Nonnen geführtes Tempel reingehen, in dem vegetarisches Essen verkauft wird. Ob man es kaufen kann ist eine andere Geschichte, denn man muss zuerst woanders einen Bon kaufen. Ein Bon für was? Wird man gefragt. Für Essen! Für welches Essen denn? Ähh, also Reis mit Gemüse… Ich kaufe einen Bon für 15 Yuan und zeige auf ein Essen mit dem Finger. Kopfschütteln. Das kostet 20 Yuan! Was gibt es für 15? Ich bekomme nicht ganz was ich wollte bin aber froh, denn ich war schon ziemlich unterzuckert.




Wenn man das Stadt Tor besucht dann sollte man sich die Gebäude genauer anschauen und darauf klopfen. Aber bloß nicht so stark! Denn die Gebäude sind eine starke und täuschend echte Attrappe aus Styropor. Zur Zeit kann man auf dem Stadt Tor auch eine Reklame für Autos bewundern. Warum auch nicht?

Dienstag, 31. März 2009

Musikgenuss - Klarinettenkonzert in Xi'an

Zu dem letzten deutschsprachigen Stammtisch in Xi’an kamen einige neue Gesichter. Da war ein junger netter Chinese, der vor kurzem aus Deutschland zurückgekommen ist. Er hat dort Musik studiert. „Meine Professorin Sabine Meyer ist die beste Klarinettistin der Welt“ sagte er stolz. Er lädt uns ein zu seinem Solo Konzert, das zwei Tage später im Musikkonservatorium stattfinden wird. „In zwei Tagen schon?“ „Gibt es Informationen dazu im Internet“ wir sind begeistert und fragen und fragen. Denn viele der Anwesenden haben während des Aufenthalts in Xi’an so was nicht gehabt. Es gibt keine Infos im Internet und das Konzert wurde vor kurzem erst organisiert. So erfahren wir, dass in Xi’an des öfteren Konzerte gibt, nur kurzfristig und ohne zu viel Werbung. Wir freuen uns und der Abend des Donnerstags ist jetzt für das Konzert reserviert.

Am Abend des Donnerstags regnet es in Strömen. Ich schaffe es trotzdem um 19:30 Uhr im Konzertsaal zu sein und reserviere einige Plätze in der dritten Reihe. Langsam füllt sich der Saal. Um 20:00 Uhr ist der Saal voll und ein Herr steigt auf die Bühne. Er begrüßt das Publikum auf Chinesisch. Zu unserer Freude begrüßt er das Publikum dann auch auf Deutsch. Er schließt mit den Wörtern: „Dieses Konzert macht er für seine Familie, seine Freunde, seine Hochschule und für seine Stadt“.

Drei Stücke werden vom Klavier begleitet. Ein Stück aber spielt er alleine und es handelt sich dabei um ein modernes Stück für Klarinette. Die Zeit vergeht zu schnell und das Konzert ist leider viel zu schnell vorbei. Das Publikum ist begeistert und klatsch! Der Klarinettist und die Klavierspielerin kommen wieder auf die Bühne. Ein Blumenstrauß wird ihm gereicht. Dann geht er wieder hinter die Bühne. Klatsch, klatsch, klatsch … immer lauter. Die Musiker sind wieder auf die Bühne und diesmal sind es mehrere Blumensträuße. Mit den vielen Blumen balancierend geht er wieder hinter die Bühne.


Während die eine Hälfte der Zuhörer den Saal verlassen, will die andere Hälfte nach vorne, um den Musiker zu gratulieren. Eltern, Professoren, Freunde. Begeistert und gerührt gehen auch wir, denn zwar hätte ich auch sehr gerne die Hände von „Li Xin“ geschüttelt aber heute sind die Eltern und Freunde dran.

Freitag, 27. März 2009

Nicht einer von uns

Einmal als ich zu Besuch bei meinen Schwiegereltern war, hatte ich eine sehr interessante Unterhaltung. Ein Handwerker fragte mich nach dem Herrn Müller. Ich antwortete er sei gerade nicht zuhause. Meine Schwiegermutter ist auch nicht da, sie kommen später. Während ich mit ihm sprach, beobachtete er mich ganz genau. Er beobachtete mein Gesicht mit den nicht gerade deutschen Gesichtzügen. Er beobachte meinen Mund, der sich bewegte und aus dem Wörter kamen, die anders klangen. Ich beobachtete, wie er etwas nervös und ratlos wurde, wie er anfing langsam und etwas deutlicher zu sprechen. Ich beobachtete, wie er seine Hände dabei bewegte, als würden die Wörter gar nicht reichen. Abgelenkt von so vielen Beobachtungen habe ich fast nicht gehört, was er gesagt hat. Sie kommen später noch mal? Fragte ich. Ja! Sagte er, den Kopf stark von oben nach unten und zurück bewegend.

Zu Besuch in Kolumbien fragt Georg an der Hotel Rezeption wo die Toiletten sind. Die Frau schaute konzentriert und angestrengt den Georg an. Während er sprach, sah sie seinen schönen blauen Augen und fragte sich möglicherweise ob er „Gringo“ sei und ob er 2 Meter groß sei oder noch größer. Als seinen Mund sich nicht mehr bewegte und Georg sie anschaute, als warte er auf eine Antwort, schaute sie mich fragend an. „En donde estan los banos“ wiederholte ich. Ich sagte genau den gleichen Satz, den Georg gesagt hatte. Sie verstand auf einmal. Sehr enttäuscht fragte mich Georg, warum die Leute ihn nicht verstehen. Ich sagte ihm, die Leute brauchen etwas Zeit, bis sie merken, dass Du deren Sprache sprichst. Fang mal mit ein paar höflichen Floskeln an. Empfahl ich. „Buenos dias senorita“ o „Disculpe, tengo una pregunta“. Falls es sich um ein nettes hübsches Mädchen handelt, sagte mein Vater, dann fange am besten mit „Mi amor“ an. Meine Liebe.

Nun in China ist es so, dass selbst Chinesen sich manchmal einander nicht verstehen. Weil das Land so groß ist und die Aussprache in den verschiednen Regionen bwz. Minderheiten sehr unterschiedlich ist. Manchmal müssen sie anfangen Zeichen in der Luft zu zeichnen oder sogar auf Papier. Wenn selbst die Kommunikation mit einem anderen Chinesen so schwierig sein kann, wie soll es nur klappen mit einem Ausländer?! Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Von Grins- oder Lachanfälle bis zu Stummheit. Von Begeisterung bis Ärger. Oh je! Kopfschütteln, weg gehen, etc.

Meine österreichische Kollegin, die schon fast 5 Jahre hier ist, und sehr gut chinesisch spricht, sagt dem Taxifahrer wohin. Der Taxifahrer schaut sie an, sagt nichts und dreht sich fragend zu mir. Weil ich weniger ausländisch, ja manche sagen ein bisschen chinesisch aussehe. Da ich nichts sagen kann, dreht er sich wieder zu meiner Kollegin, die das Ziel noch mal sagen muss.

Vor ein Paar Tagen war ich mit Kristine in einem chinesischen Kaffee. Ich versuche zu fragen, ob der Milchtee heiß oder kalt sei. Die zwei Mädchen schauen sich an und schütteln den Kopf. Ich bestelle dann einen Milchkaffee.
Ein Mädchen kommt mit der Bestellung und versucht sich mit Kristine zu unterhalten. Wir verstehen nichts und müssen lachen. „Bitte sagen Sie das noch einmal“, sage ich. Etwas verlegen und rot im Gesicht, fragt das Mädchen noch mal. Ich glaube sie will wissen, wie lange Du in Xi’an bist. Sage ich. Kristine antwortet „11 Monate“. Das Mädchen schaut die große Kristine mit ihren hellblauen Augen und ihrem hellen Haar so an, als sehe sie gerade eine Glücksfee, oder gar einen Engel. Grinsend und Kristina anschauend geht das Mädchen wider. Als wir dann bezahlen, spricht das Mädchen wieder mit Kristina. Ihr chinesisch sei sehr gut. Kristina lacht, und bedankt sich.
Wenn Georg Chinesisch spricht, und sei es nur ein „Nihao“ dann bekommt er oft ein „Ni da Hanyü hen haoting“ sie sprechen sehr gut chinesisch. Ich bekomme nicht so oft Komplimente. Im Gegenteil, letztens schaffe ich es, dem Taxifahrer zu sagen, er soll umdrehen und zurückgehen, denn meine Freundin hatte was im Taxi vergessen. Der Taxifahrer macht das und redet mit mir. Ein Satz blieb hängen. „Ni de Fayin bu tai hao“ Deine Aussprache ist nicht wirklich gut. Hm. Ich dachte Chinesen sind diplomatisch und nicht so direkt…
Vielleicht weil ich schwarze Haare und schwarze Augen habe, müsste ich chinesisch besser sprechen können, als wenn ich helle Augen, helle Harre und eine längere Nase hätte. ;-)

P.S. letztens lernte ich eine Deutsch-Argentinierin kennen. Ich hatte schon von ihr gehört und fragte sie gleich am Anfang „tu hablas espanol?“. Dann redeten wir eine weile auf Spanisch. Sie sprach perfekt spanisch mit argentinischen Akzent. Während sie sprach dachte ich mir, sie ist eigentlich ziemlich argentinisch. Dann wechselten wir auf Deutsch. Ihr Deutsch war ebenso perfekt. Mit den Ja’s und ehm’s alle an den richtigen Stellen. Während sie sprach, merkte ich, dass sie sich für mich verwandelte. Von einer waschechten Argentinierin in eine waschechten Deutschen.

Dienstag, 24. März 2009

Stadtplanung

Als ich gerade in Xi’an angekommen war, wurde ich gewarnt, ich solle mich nicht 100% auf die Karte verlassen, denn laut Karte sollte es in der Nähe der Wohnanlage eine kleine Strasse sein. Da wo die Strasse sein sollte war aber ein kleines einfaches Wohnviertel, und gar keine Strasse.
Einige Monate später war dann dieselbe Karte etwas genauer, denn die Strasse war auf einmal da. Und das kleine Wohnviertel war natürlich nicht mehr da.

Dann eines Morgens hieß es, ich soll auf die andere Seite der Tang Yan Lu sehen. Das ist die Strasse, die an der Wohnanlage grenzt, und auf deren rechten Seite nichts als eine lange 2 Meter hohe Wand gab. Die 2 Meter hohe Wand und die in etwa 4 mal 4 Meter große Werbungsplakate waren auch weg. Man konnte auf ein weites leeres Feld sehen und dahinter den Eingang eines schönes neues Wohnkomplexes.

Wenn hier gebaut wird, dann wird als erstes eine 2 Meter hohe Wand um das Gelände gebaut. Dann weiß man nicht, was hinter der Wand alles passiert. Mit der Seite wächst hinter der Wand ein Baugerüst oder auch nicht, und nach einigen Monaten „Sim sala bim“ die Wand ist weg und das neue Gebäude oder der neue Park erscheint an ihrer Stelle.

Das leere Feld auf der rechten Seite der Tang Yan Lu war nicht lange leer. An einem frühen Morgen parkten mehrere Lastwagen an der Strasse. Ein Paar von denen waren mit Arbeitern geladen. Die anderen mit Bäumen.


Innerhalb von wenigen Tagen bepflanzten die Arbeiter das Gelände mit den Bäumen. Dann blieben nur noch einige Zehn Frauen vor Ort, die in den nächsten Tagen den Rasen anpflanzten. Pflänzchen für Pflänzchen. Das gleiche ist ein Paar Strassen weiter auch so passiert.


Georg beobachte etwas ähnliches aber nicht mit Bäumen sondern mit Blumen. Zwei Lastwagen bleiben plötzlich an einer Verkehrsinsel stehen. Arbeiter springen aus dem einen und holen Blumen aus dem anderen. Dann Zack! Ganz „rucki zucki“ war die Verkehrsinsel fertig. Die Arbeiter steigen ein und weg sind sie. Richtung nächste Baustelle.

Wir wohnen im Südwesten der Stadt. Unser Wohnviertel „Gaoxin district“ entstand dort, wo vor etwa 8 Jahren das alte Flughafen war. Vor etwa 5 Jahren als die ersten Kollegen herkamen, soll es hier ganz anders ausgesehen haben. Die große Tang Yan Lu Strasse und das große Supermarkt gab es gar nicht. Auf Grund der Bauarbeiten waren Strom und Wasserausfall an der Tagesordnung. Inzwischen befinden sich im Gaoxin district mehrere Unternehmen, das Gaoxin Krankenhaus, mehrere Banken etc. Die Straßen sind breit und immer wieder findet man Fleckchen für Bäume oder sogar kleine Parks.

Es klappt nicht immer, dass ein Baugelände abgeriegelt wird. So kann man in der Chang An Lu, wenn man die Fußgängerbrücke läuft nach unten in die Baustelle für die U Bahn sehen.



Die Chang An Lu ist die Strasse, die von Süden in das Zentrum geht. Nicht nur ist die Strasse viel befahren, rechts und links befinden sich die wohl populärsten Geschäfte und Einkaufsviertel der Stadt. Entsprechend ist das Chaos wegen der Baustelle. Aber es wird wohl nicht lange so bleiben.

Montag, 16. März 2009

Die Himmelrichtungen

Mit den Namen von wichtigen Städten in China kann man sich die Himmelsrichtungen merken:
北京Bei jing = Bei steht für norden. Jing für Hauptstadt. Dann gibt es noch
南京 Nan jing = Nan steht für Süden. Jing für Hauptstadt. Eine weitere Hauptstadt während der Chinesischen Dynastien war,
西安 Xi’an = Xi steht für westlich. An bedeutet Ruhe, Frieden.
Bleibt东 Dong = Osten. Zuerst dachte ich. Es gibt keine Stadt mit Dong. Aber dann erfuhr ich, Dong jing ist der chinesische Name für Tokyo.

Xi’an ist für ihre große und vollständig erhalten gebliebene Stadtmauer berühmt. Insgesamt ist die Mauer 14 Kilometer lang. Man kann sich dort oben ein Fahrrad leihen und einmal rum gehen. Die Mauer hat vier Haupteingänge oder Tore: 北门 bei men, 南门 nan men, 西门 xi men, 东门 dong men. Die Tore dienen nicht nur als Eingang zu der Stadtmauer sondern auch als Treffpunkte.






In der Mitte der Mauer ist das Glockenturm. Der Glockenturm ist ebenfalls ein beliebter Treffpunkt und leicht auszusprechen: Zhonglou.




Um reinzukommen empfehle ich aber die Unterführung. Zwar hat der Glockenturm noch ein Eingang, aber um dahin zu kommen muss man über die Strasse laufen. Was auch ein Erlebnis sein kann.


Man sollte sich die Zeit nehmen und immer wieder runter schauen.





Verkehrt rum.
Man sagt hierzulande nicht nordöstlich oder südwestlich sondern ostnördlich und westsüdlich. Also nimmt man zuerst die Ost West Achse und erst dann die Süd Nord Achse.

Gemüse.
Kürbis heißt 南瓜 Nan gua, Wassermelone heißt 西瓜 Xi gua. Letztens sagte mir jemand, Kürbis und Wassermelone müssten verwandt sein. Warum? Fragte ich. Ja, weil Kürbis nan für südlich im Namen enthält und Wassermelone Xi für westlich im Namen enthält.

西门子 Xi men zi
Bei diesem Wort geht es nicht um die Bedeutung der einzelnen Zeichen sondern um deren Klang. Ximensi, der Name für Siemens.

Es könnte so einfach sein

Qianzahng hört dem Optiker zu. Der Optiker hält meine neue Brille in den Händen und erklärt Qianzhang dies und das. Qianzhang nickt mit dem Kopf und überlegt, was er mir sagen soll. Der Optiker sagt, Du brauchst nicht die Gläser der Brille austauschen zu lassen. „Aber die Brille ist schief“ sage ich. „Sage bitte dem Optiker, dass ich inzwischen viele Leute gefragt habe, und alle sehen das wie ich. Die Brille ist schief“. Wieder unterhalten sich der Optiker und mein Kollege. Der Optiker setzt mir die Brille ab und auf. Beide schauen mich an und unterhalten sich. Ich nehme nochmals die Brille und stelle sie auf dem Tisch. Ich zeige mit meinem Finger, dass die Gläser nicht 100% symmetrisch im Rahmen montiert wurden. Mit der Folge, dass der Bügel über der Nase zu einer Seite nach unten geneigt zeigt. „Yi dianr“ höre ich die beiden sagen. „Ein Bisschen“. Dann kommt irgendwas wie „Deguoren shi hen …“ Deutsche sind sehr … genau nehme ich an. Das Wort kannte ich nicht. Der Optiker und ein andere Angestellte lächeln sich an. „Die Brille war nicht billig und ich will, dass sie richtig sitzt“. Der Optiker schraubt die Brille auseinander und wieder zusammen. Das bringt nichts, denn meine Brille hat keinen Rahmen. Die Gläser werden über eine Schraube am Bügel festgehalten. Nur die Löcher für die Schrauben sind halt etwas… unsymmetrisch… Meiner Meinung nach, müsste das linke Glas noch mal gemacht werden. Mit einem genaueren Loch. „Es ist nicht besser“ sage ich etwas verzweifelt. Mein Kollege versucht es noch mal. Ich höre das Wort „Ingenieur“. Wieder wird was gedrückt, gebogen, etc. Und ich kriege die Brille aufgesetzt. Der Optiker ist etwas genervt jetzt. Ich denke mir, ich muss noch einmal kommen, aber diesmal mit jemandem, der schimpfen kann. „Ich nehme die Brille mit und probiere sie aus“ sagte ich. Lass uns gehen Qianzhang, ich denke es ist etwas besser.
Unterwegs unterhalte ich mich mit Qianzhang. Er sagt, der menschliche Körper ist nicht 100% symmetrisch. Mal hat man einen größeren Fuß, ein tieferes Ohr, ein kleineres oder größeres Auge. Ich atme tief ein und aus. Er erklärt mir weiter, dass deshalb viele Brillen etwas schief sitzen, weil viele Gesichter nicht symmetrisch sind. Er nimmt seine eigene Brille als Beispiel. Ich sage, es müsste möglich sein, eine Brille an ein etwas unsymmetrisches Gesicht anzupassen. Ja, es müsste möglich sein, sagt Qianzhang und lacht etwas verzweifelt. Dann versuche ich es mit einer andern Strategie. „Ich wollte eine schönere Brille als vorher. Und Du weißt wie Frauen sind“. „Ja, ich weiß“ sagte Qianzhang lächelnd.

Ich muss auch noch Telefon aufladen, sage ich Qianzhang. Kannst Du mir dabei helfen. Klar, mache ich! Telefonrechnungen sind hier nicht üblich. Stattdessen muss man Guthaben aufladen und entweder man denkt rechtzeitig daran, wieder aufzuladen, oder man hat eines Tages keine Internetverbindung mehr… Mit Handy, Gas und Strom ist es genau das Selbe. Zum Aufladen geht man in Line community charges Büros. Die sind überall in der Stadt zu finden. Alle mit dem gleichen Logo. Man muss nur lesen können, dann findet man sie schon… Im Büro schreibe ich meine Festnetznummer auf. Die Angestellte gibt sie im Computer ein. Zu wem gehört der Anschluss? Ha, ich bin vorbereitet. Ich zeige Qianzhang eine SMS mit dem chinesischen Namen des Hausbesitzers. Leider in Pinyin und nicht in chinesischer Schrift. Die Angestellte will genau wissen, um welche chinesischen Zeichen es sich dabei handelt. Oh, sorry aber das wissen wir nich, wir haben nur den Namen in Pinyin. Die Angestellte fragt, ob ich sicher sei, über die Nummer. Ja, sage ich. Wie viel wollen sie zahlen? 1000 Yuan. Ne, das geht nicht. „Das ist zu viel Geld“ sagt mir Qianzhang. Wie viel kann ich zahlen? 100 Yuan. „Aber ich bin schon in Minus 500“ ich muss mindestens 500 zahlen. Nein das geht nicht, aber morgen geht das. Wieso geht das morgen und nicht heute? Qianzhang unterhält sich mit der Angestellten und überlegt sehr lange, findet aber die Wörter nicht auf Englisch. OK, ist gut. Meint sie, ich soll in ein anderes Büro gehen? Ohne sie zu fragen, nickt Qianzhang zustimmend. Ok, dann muss ich mich beeilen, denn es ist schon nach 17:00 Uhr und die machen um 18:00 Uhr zu.

Ich entdeckte im Stadtzentrum ein Fotostudio. Ich suchte einen Nachmittag meine schwarze Jacke aus und ging dahin. Ein sehr schönes Studio. Macht einen guten Eindruck. Ein Pärchen macht gerade Fotos für die Hochzeitskarten. Die werden geschminkt und schön gerichtet. Große Lampen werden gebracht. Das Mädel, welches sich um mich kümmert, spricht so wenig Englisch wie ich Chinesisch. Sie versteht, dass ich kleine Fotos für meinen Lebenslauf will. Sie zeigt mir zwei Beispiele. Es gibt 4 größere Fotos oder 12 kleinere. Ich zeige auf die größeren. Bis dahin alles klar. Ich will 5 verschiedene Aufnahmen versuche ich ihr zu sagen. Sie ruft eine Freundin an und spricht mit ihr, dann gibt sie mir das Handy. „Hallo? What do you want?“ Ich erkläre alles von vorne und gebe das Telefon zurück. Das Mädel schüttelt den Kopf und erklärt ihre Freundin irgendwas. Dann bekomme ich das Telefon noch mal. Wie viele Fotos? 5 verschiedene. But you could have one! Ja, ich weiß, aber ich will 5. 5 verschiedene. Ich gebe das Telefon weiter. Ich nehme ein Blatt und zeichne was ich will. Insgesamt 20 Bilder. 5 verschiedene Fotos, und natürlich von jeder 4. Ach so. Dann, geht es um Preis und Abholdatum. Morgen ist billiger. Morgen ist gut. Ok.
Ich wurde in ein anderes Zimmer gebracht. Das Mädel erklärt dem Fotograf was ich will. Der Fotograf schüttelt den Kopf und schimpft mit dem Mädel. Das Mädchen ist kurz davor zu weinen. Was ist denn jetzt wieder? Frage ich mich. Ich werde es wohl nie erfahren. Der Fotograf stellt mich hin und mit den Händen fragt er mich, wie groß die Aufnahmen sein sollen. Ich zeige Kopf und Schulter. Nein das geht nicht. Ganzer Körper oder bis zu den Beinen. Na gut, dann bis zu den Beinen, Du meine Gute!

Donnerstag, 5. März 2009

Neulich in der Notaufnahme des Gaoxin Krankenhauses

Eigentlich wollte ich früh ins Bett gehen. Stattdessen ist es 02:00 Uhr in der Nacht und es wird noch eine Weile dauern, bis ich ins Bettchen fallen kann.

Es war eine sehr anstrengende Woche gewesen für alle Kollegen. Die schlechte Situation der Firma, die Ungewissheit, die langen Gesichter der Kollegen, u.s.w. Es war endlich Freitag…
Wir gingen nach der Arbeit in ein japanisches Restaurant in der Innenstadt. Wir waren so um die 10 Leute und hatten ein großes Zimmer nur für uns, so wie einen Fernseher und einen Koch. Wir bekamen die Speisekarte. Sollen wir eine große Platte Sushi bestellen, jetzt wo wir uns das noch leisten können? Fragte die Kollegin. Ja, bestelle die größte! Und Sake oder Pflaumenwein? Beides und Bier! Alles was besoffen macht!
Das Essen wurde vor uns zubereitet. Es gab leckeres Fleisch und immer wieder einen Trinkspruch. Worauf sollen wir trinken? Auf das Februargehalt! Ja, das ist eine gute Idee. Auf das Februargehalt! Wir waren fast alle Ausländer. Nur zwei Chinesinnen waren dabei. Es wurde viel, laut und auf englisch und deutsch gesprochen und gewitzelt. Aber mit dem Koch und mit der Bedienung wurde Chinesisch gesprochen, oder zumindest versucht… Es war mit Sicherheit kein leichter Arbeitstag für die Restaurantangestellten.
Der Pflaumenwein ist alle! Ich bestelle noch ein Paar Fläschchen. Ist gut! Und Asachi Bier bitte. Wie heißt noch mal das Asachi Bier auf Chinesisch? Fuwuyan! (Herr Ober!)
Das Restaurant befindet sich im vierten Stockwerk eines Gebäudes in der Innenstadt. Direkt über einer neuen und berühmten, berüchtigten Disko. Da gab es nämlich vor einigen Monaten eine Schlägerei mit Messer… was eigentlich sehr selten ist hierzulande. Ich war schon mal da gewesen. Nicht mal 5 Minuten lang habe ich es dort ausgehalten, denn es war unerträglich laut, man könnte nur an eine Tisch sitzen, wenn man mindestens für umgerechnet 50 Euro bestellt hatte und die Atmosphäre war auch nicht berauschend. Aber an diesem Freitag hatte die Disko besondere Veranstaltung mit besonderen Gästen! Ich kann mich nicht mehr an den Namen der Veranstaltung erinnern, Latino Party vielleicht, oder Salsa Evening, keine Ahnung. Jedenfalls war auf ein Plakat vor dem Eingang ein Photo der beiden jungen und braun gebrannten Sängern.
Das Essen war schon längst ausgegessen. Es war schon so gegen zehn. Zeit das Restaurant zu schließen. Aber die Leute machten keine Anstalten weg gehen zu wollen. Die Bedienung wartete müde und etwas gelangweilt.
Die Frau des Kollegen schien sich auch zu langweilen und fragte mich, ob ich den Plakat gesehen hatte. Sie ist nämlich eine leidenschaftliche Tänzerin und mag Salsa besonders gerne. Let’s check it out. Sagte sie. Ich musste grinsen und nickte mit dem Kopf. Und unsere Rucksäcke fragte ich sie. Die anderen sollen nachher dann runter gehen, wenn sie wollen. Sie, meine Kollegin und ich gingen runter.
Als wir reingingen war es in der Disko gar nicht laut. Im Gegenteil. Es war nichts zu hören. Seltsam!. Die Sänger waren dabei sich und ihre Instrumente vorzubereiten. Dann ging der Sänger auf die kleine Bühne und die Party fing an. Wow! Ich war von der ersten Sekunde an begeistert. Schöne Stimme, schönes Lied und der Sänger strahlte so viel Energie… er wollte alle Gäste zum tanzen motivieren. Er hatte nicht viel Erfolg. Die Gäste wollten weiter auf ihren Stühlen sitzen bleiben. Die Tanzfläche gehörte uns! Als hätte man an einem Knopf gedruckt, fingen wir an wild zu hüpfen. Als das erste Lied zu ende war bemerkte ich erst, dass die restlichen Kollegen alle am Eingang zu uns schauten. Wollt ihr hier bleiben? Wir sind müde und wollen nach hause! Nur noch ein weiteres Pärchen entschied sich zu bleiben. Ich bleibe noch ein bisschen, sagte ich. Hast Du Geld? Fragte mich Georg und druckte mir einige 100 Yuan Scheine in die Hand. Dass ich das Geld noch brauchen würde habe ich mir nicht gedacht…
Ich konnte meine Ohren nicht glauben! Die Band spielte ein super Lied von Mana, eigentlich Rock auf Spanisch. Ich drehte noch mehr durch und schupste die anderen auf die Bühne. Dort haben wir heftig mit den Kopf geschaukelt, aus Spaß… Dann wurde so eine Art Tanzkette gebildet. Immer mehr Leute kamen dazu und wir tanzten durch den Lokal. Kurz gesagt, wir hatten viel Spaß.
So gegen Mitternacht stellte sich heraus, dass die Band nicht mehr spielen würde. Einer der Sänger ging nämlich weg. Ich war ziemlich müde und fragte dann, ob wir gehen sollen. Ja, trinken wir das Bier aus, und dann gehen wir. Das Bier wurde ausgetrunken. Meine Kollegin hatte schon angefangen sich fertig zu machen. Jacke anziehen u.s.w. da fing dieses Lied von Shakira an. Oh, lass uns noch dieses eine Lied tanzen, dann gehen wir, ja? Fragte ich. Na gut… In einer Art Trance, in einer ‚kurz vor dem Weltuntergang Stimmung’, sprangen wir in Richtung Bühne, die eine wilder als die andere. Der Kellner brachte uns Bier. Wir brauchen nicht zu zahlen. Ups, wir sind gerade die Unterhaltung… Ich war ausgedurstet und ging zum Kellner um mir Bier in ein Glas einzugießen. Ich war am trinken, als ich es hörte. Ohhh! Mehrere Leute gleichzeitig erschraken. Ich drehte mich um und sah meine beide Freundinnen am Boden. Sie standen auf. Auf dem Boden waren große Bluttropfen zu sehen und dann sah ich die blutende Nase meiner Kollegin… Die Kollegin hatte versucht, die andere Freundin zu halten, weil sie ausgerüscht war. Leider stand sie nicht so stabil und beide fielen runter. Auf der Toilette der Disko wurden wir bestens versorgt. Mit Eiswürfeln, mit Schnaps und Tüchern… Die Kollegin war so tapfer. Sie sagte nur, das wird schon. Leider hörte die Nase nicht auf zu bluten. Im Gegenteil die Nase fing an auch innen zu bluten. Ich hatte keine Ahnung von gebrochenen Nasen. Ich hatte das nur im Fernseher bei Boxern gesehen. Zum Gluck war ein Junge da, der sich auskannte und uns empfahl zum Krankenhaus zu gehen. Angesichts der inneren Blutung hielt ich es für nötig und zu dritt nahmen wir ein Taxi in das Gaoxin Krankenhaus. Das Krankenhaus liegt im südlichen Teil der Stadt, wo wir auch wohnen. Dort waren wir fast die einzigen. Nur noch ein junger Man mit Blut im Gesicht, sonst keiner da. Am Eingang bezahlten wir eine Gebühr, damit der Arzt meine Kollegin untersucht wird. Wir liefen durch die Gänge bis wir das richtige Zimmer fanden. Der Arzt schaute sich die Nase an und machte ein tröstendes Gesicht, als wollte er uns sagen, das überlebt man! Man kann da nichts machen, bei einer gebrochenen Nase. Sie muss von alleine zusammen wachsen. Kann er ihr Schmerzmittel geben, damit sie schlafen kann? Und muss man nicht nähen?
Ich kann nähen, soll ich? Fragte der Arzt. Ich war etwas verdutzt. Die Kollegin sagte, sie will genäht werden. Nach der Diagnose wird man noch mal zur Kasse gebeten, um die nächste Behandlung zu zahlen. Etwas über 300 Yuan kostet das nähen. Nicht viel, aber ohne die Scheine, die Georg mir gegeben hat, hätte sich das ganze noch verzogen, bis wir Geld irgendwo abheben. Ich wartete mit der Kollegin, während unsere Chinesische Freundin wieder zum Krankenhauseingang lief um zu bezahlen. Erst als sie mit dem Beleg zurück kam begann der Arzt sich fertig zu machen. Das ist das übliche Vorgehen hier.
Insgesamt waren 4 Stiche notwendig. Wir mussten das Zimmer nicht verlassen. Der Arzt störte sich nicht daran, dass ich näher kam um die Prozedur anzuschauen. Eine Woche später ist die Nase der Kollegin wieder ganz die alte. Wie durch mehrere Wunder hatte sie einen doppelten Bruch aber die Nase änderte kaum die Form. Jedenfalls ich kann keine Änderung sehen. Das ganze Wochenende war ich von Ohren und Kopfschmerzen geplagt. Dazu kamen die Sorgen um meine Kollegin und noch das schlechte Gewissen, denn wären wir gegangen, statt zu Shakira’s Lied zu tanzen, wäre das alles nicht passiert, aber im nachhinein ist man immer schlauer. Das einzig gute dabei war, die Sorgen um die Firma haben sich relativiert.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Blenz Coffee Xi’an

Blenz Coffee Xi’an
In der Nähe des Gebäudes, in dem ich jetzt arbeite, hat neulich ein Blenz Café geöffnet. Guten Kaffee in Xi’an gibt es nicht an jeder Ecke. So wartete ich nicht lange um in der Mittagspause hinzugehen. Die Karte hat mir gut gefallen. Viele verschiedene Sorten Kaffee aber auch Tee und frisch gepresste Säfte und sowohl westliche als auch chinesische Gerichte. Sandwiches, Salate, Nudeln... Eine gute Alternative zum Kantinenessen.
Ich bestellte einen Karottensaft und ein Sandwich. Ich setzte mich draußen an der Sonne hin. Nach einer Weile kam mein Karottensaft. Der war lecker! Nach über 30 Minuten war noch immer mein Sandwich nicht gebracht worden. Ich wartete noch 10 Minuten und fragte nach. Es dauert, weil drinnen so viele Kunden sind. Sehr enttäuscht sagte ich, ich habe nicht so viel Zeit und möchte meinen Saft bezahlen. Der Kellner entschuldigte sich auf englisch “I’m sorry”. Gleichzeitig drückte er mir eine Visitenkarte und ein Faltblatt in die Hand und sagte mir, ich könne dort auch bestellen.
Ein paar Tage später griff ich zum Telefon. Ich dachte mir, meine Chinesischkenntnisse sind sehr gering, aber “ich will” kann ich schon mal sagen. Im Faltblatt waren alle Gerichte und Getränke auf Englisch und in chinesischer Schrift aufgelistet. Ich kann leider die chinesischen Zeichen nicht lesen, aber ich dachte, wenn ich die Englische Bezeichnung verwende, werde ich bestimmt verstanden. Also rief ich an und sagte ich möchte Essen bestellen.
Wo yao yige Sandwich (ich will ein Sandwich)
Was moechten Sie?
Ich wiederholte. Wo yao yige Sandwich (ich will ein Sandwich)
Auf der anderen Seite wurde das Telefon weiter gereicht. Eine andere Stimme. Ich fing wieder von vorne an.
Wo yao yige Sandwich (ich will ein Sandwich)
Was?
Ich wiederholte… das Ganze noch einmal bis ich dann jemanden hatte, der Englisch sprechen konnte. Ich bestellte dann auf englisch mein Sandwich.
Einige Tage später versuchte ich es noch mal allerdings versuchte ich es gar nicht auf chinesisch... ich bestellte auf englisch einen Late Machiatto. Late Machiatto?? ein Moment bitte. Ein anderer am Telefon. Was mochenten Sie? einen Late Machiatto. Es wurde lange geraetselt. Als ich dann wieder jemanden am Telefon hatte, aenderte ich meine Bestellung. Einen Kapuchino. Das wurde verstanden.

Tja, ich muesste es langsam begreifen, dass alles hier einen eigenen chinesischen Namen hat!!! Selbst bei Pizza hut heist die Pizza nicht Pizza sondern so etwas wie Kuchen auf chinesisch.

Ich ließ meine Lehrerin mir die Chinesischen Namen aufschreiben, damit ich beim nächsten mal auf Chinesisch bestellen kann.

Macchiato mi dian
Americano meishi hei kafei
Vanilla Latte Xiang cao natie
Cappuccino Kabuqinuo

Sandwich san ming zhi
Ham and cheese sandwich huotui zhishi san ming zhi
Club sandwich gongzu san ming zhi

Ich uebte mehrmals mit meiner Lehrerin bis ich die Namen im Kopf hatte. Jetzt bin ich gut vorbereitet! Ich rufe immer wieder an, denn der Kaffee ist wirklich lecker, nur leider werde ich bereits beim "Ni hao" erkannt, und das Telefon wird weiter gegeben... an den englisch sprechenden Mitarbeiter.

Sonntag, 22. Februar 2009

Hanzi

Inzwischen kann ich das überlebensnotwendigste auf Chinesisch sagen. Einige einfache Texte in chinesischer Schrift kann ich auch lesen. Zum Beispiel Ich heiße Wang Xiao Ming. Ich bin 10 Jahre alt und ich mag die Farbe rot. Ich lerne nämlich mit einem Buch für Kinder…
Letztens gab mir meine Lehrerin einen Stift und sagte mir ich soll was an der Tafel schreiben. In chinesischer Schrift diesmal. Ich weiß nicht mehr wie der ganze Satz lautete. Ich weiß nur er fing mit „ich“ an. Ich = Wo. Müsste ich mit links können. Ich wollte was schreiben da stellte ich fest mein Kopf war leer. Ich konnte keinen einzigen Strich mahlen. Ich dachte eine Weile nach und musste zugeben, dass ich das nicht kann. Meine Lehrerin fing an zu schreiben, da fiel es mir wieder ein. „Du“ sollte ich dann schreiben. Ich kriegte gerade die Hälfte hin. Unglaublich! Wieso kann ich das lesen aber nicht schreiben??? Tja, ich hatte mich darauf beschränkt, die Zeichen zu erkennen…
Meine Lehrerin erzählt mir, Kinder müssen während der ganzen Grundschulzeit jeden Tag mehrere Zeichen schreiben üben. Jahrelang braucht es.
Während dem Schreiben soll man auf einiges achten. Wie Reihenfolge und Richtung jedes Striches. Es ist nicht einfach so, dass man ein horizontaler Strich mahlt und darunter einen vertikalen beim Zeichen Xia für unten.

Es gibt sogenannte Grundstriche und jeder davon hat einen Namen, sodass man ein Zeichen diktieren kann. Kinder sollen während sie mehrmals das gleiche Zeichen schreiben, die Namen der einzelnen Grundstriche nennen. So wird jedes Zeichen im Gehirn dann nicht nur doppelt sondern dreifach gespeichert. Man speichert mit den Augen, mit den Ohren und mit der Bewegung der Hand. Es heißt einige Menschen müssen die Hand bewegen, um ein Zeichen erklären zu können.

Man kann auch Buchstabieren. Oder besser gesagt, wenn man einen neuen Namen mitteilt, macht auch klar, um welches Zeichen es sich dabei handelt. Denn für eine Laut kann es mehrere Zeichen geben.
Man sagt zum Beispiel ich heiße Guo 国. Guojia da Guo. Guo von Guojia. Also das Zeichen fuer Guo, welches im Wort Land vorkommt. (Guojia = Land). Oder Zuo, Gongzuo da Zuo, also das Zuo, welches im Wort Arbeit vorkommt.

Chinesisches Neujahr


Am 26. Januar 2009 fing das Jahr des Rindes an. Je näher dieses Datum kam, desto aufgeregter schienen alle zu sein.
Auf einmal sieht man neue Geschäfte oder Straßenstände, die Feuerwerk zum Verkauf anbieten. Geschäfte, Hotels, Restaurants und überhaupt, wer sich das leisten kann, schmückt Fenster, Türen und Bäume. Die Stadt verkleidet sich rot und golden.
Die Kollegen wollen verreisen oder wollen Geschenke für die Verwandte kaufen. Dann wird über das leckere Essen geredet, welches für diese Tage vorbereitet wird.
Es heißt die nächsten Wochen hockt man zusammen und es wird ganz viel gegessen. Fast für jeden Tag ein besonderes Essen. Und Feuerwerk darf man natürlich nicht vergessen.
Ich habe nämlich verschiedene Gründe gehört, warum das Feuerwerk so besonders und nicht wegzudenken ist. Eine Kollegin sagte, wenn sie den Krach des Feuerwerks hört, dann wird sie daran erinnert, es ist die Zeit der Feierlichkeiten! Andere Kollegin erzählte mir von einem Taxifahrer, der 15000 RMB für Feuerwerk opferte, damit das Geschäft des nächsten Jahres gut gehen möge. Und es heißt auch, Feuerwerk bringt nicht nur Glueck sonder vertreibt auch das Böse. Es gibt verschiedene Varianten von Feuerwerk. Es gibt Feuerwerk für Tagsüber. Dieser macht nur Krach. Man sieht gar nichts im Himmel, es sei denn, man ist in der Nähe, dann sieht man eine Rauchwolke. Ich kannte dieses Geräusch nicht, man gewöhnt sich schnell dran. Nach einigen Tagen nimmt man das fast gar nicht mehr wahr. Für abends, wenn es dunkel ist, gibt es buntes und leuchtendes in allen Größen. Mit und ohne Krach. Das Lieblingsstück der Kinder schienen aber die kleinen roten Knaller zu sein, die sie anzündeten und dann unter die Autos warfen. Es krachte kurz und laut und aktivierte die Alarmanlagen aller Autos in der Straße. Einmal kamen wir abends heim und sahen vor der Wohnanlage kleine Kerle dabei, Feuerwerk anzuzünden. Einer der Feuerwerkskörper explodierte nicht. Ein etwa 9 Jahre altes Kind zündete sein Feuerzeug an und ging zum Feuerwerkskörper hin. Ich blieb atemlos stehen und Georg sagte Oh oh…
Zum Glueck ist nichts passiert und wir gingen in die Wohnanlage rein. Vorbei an den Muttern der Kinder, die sich gerade weiter unterhielten, als spielen die Kinder im Sandkasten.

Die Schulen und Unis machen Ferien während dieser Zeit. Das hat zur Folge, dass auch die Straßenständen Pause machen. Auch die Taxis werden immer weniger und Geschäfte und sogar das Schwimmbad macht zu. Wenn man also nicht Chinese ist, und keine Familie zum Feiern hat, kann das Leben nicht nur langweilig, es kann auch schwierig werden. Viele Ausländer verreisen in dieser Zeit. Das Flugzeug von Xi’an nach Bangkok war zu 90% mit Ausländern belegt.

Der 9. Februar, also der 15te Tag des Jahres ist ein wichtiger Tag im chinesischen Kalender. Der Tag des Laternenfestes. Und wieder eine willkommene Gelegenheit für noch mehr Feuerwerk. Wie der Name schon sagt, gibt es an diesem Tag überall Laternen. Die alte Mauer in Xi’an wurde dafür ganz schön geschmückt.






An diesem Montag haben wir ganz normal gearbeitet. Nach der Arbeit gingen wir auf die Terrasse im 6 Stockwerk und schauen 5 Minuten lang das Feuerwerk in der Umgebung an. Obwohl wir weit vom Zentrum waren, in welche Richtung auch immer man schaute, es dauerte nicht lange, bis so eine Feuerwerkblume zu sehen war. Dann fuhren wir in die Stadt rein. Zur Mauer. Wie viele andere auch. Dort gab es noch mehr Feuerwerk und auf der Mauer viele Laternen zu bestaunen. Die Laternen hatten die verschiedensten Formen und stellten Kapiteln aus der Geschichte oder der Moderne dar.

Da waren zum Beispiel kleine Häuser aus Bambus in sehr schöner Bauweise. Die Kollegin fragte mich, sieht das in Kyoto so aus? Ja, es sieht so aus. Das ist weil Kyoto nach der damaligen Hauptstadt der Tang Dynastie gebaut wurde. So sah Xi’an einmal aus.