Mittwoch, 25. Februar 2009

Blenz Coffee Xi’an

Blenz Coffee Xi’an
In der Nähe des Gebäudes, in dem ich jetzt arbeite, hat neulich ein Blenz Café geöffnet. Guten Kaffee in Xi’an gibt es nicht an jeder Ecke. So wartete ich nicht lange um in der Mittagspause hinzugehen. Die Karte hat mir gut gefallen. Viele verschiedene Sorten Kaffee aber auch Tee und frisch gepresste Säfte und sowohl westliche als auch chinesische Gerichte. Sandwiches, Salate, Nudeln... Eine gute Alternative zum Kantinenessen.
Ich bestellte einen Karottensaft und ein Sandwich. Ich setzte mich draußen an der Sonne hin. Nach einer Weile kam mein Karottensaft. Der war lecker! Nach über 30 Minuten war noch immer mein Sandwich nicht gebracht worden. Ich wartete noch 10 Minuten und fragte nach. Es dauert, weil drinnen so viele Kunden sind. Sehr enttäuscht sagte ich, ich habe nicht so viel Zeit und möchte meinen Saft bezahlen. Der Kellner entschuldigte sich auf englisch “I’m sorry”. Gleichzeitig drückte er mir eine Visitenkarte und ein Faltblatt in die Hand und sagte mir, ich könne dort auch bestellen.
Ein paar Tage später griff ich zum Telefon. Ich dachte mir, meine Chinesischkenntnisse sind sehr gering, aber “ich will” kann ich schon mal sagen. Im Faltblatt waren alle Gerichte und Getränke auf Englisch und in chinesischer Schrift aufgelistet. Ich kann leider die chinesischen Zeichen nicht lesen, aber ich dachte, wenn ich die Englische Bezeichnung verwende, werde ich bestimmt verstanden. Also rief ich an und sagte ich möchte Essen bestellen.
Wo yao yige Sandwich (ich will ein Sandwich)
Was moechten Sie?
Ich wiederholte. Wo yao yige Sandwich (ich will ein Sandwich)
Auf der anderen Seite wurde das Telefon weiter gereicht. Eine andere Stimme. Ich fing wieder von vorne an.
Wo yao yige Sandwich (ich will ein Sandwich)
Was?
Ich wiederholte… das Ganze noch einmal bis ich dann jemanden hatte, der Englisch sprechen konnte. Ich bestellte dann auf englisch mein Sandwich.
Einige Tage später versuchte ich es noch mal allerdings versuchte ich es gar nicht auf chinesisch... ich bestellte auf englisch einen Late Machiatto. Late Machiatto?? ein Moment bitte. Ein anderer am Telefon. Was mochenten Sie? einen Late Machiatto. Es wurde lange geraetselt. Als ich dann wieder jemanden am Telefon hatte, aenderte ich meine Bestellung. Einen Kapuchino. Das wurde verstanden.

Tja, ich muesste es langsam begreifen, dass alles hier einen eigenen chinesischen Namen hat!!! Selbst bei Pizza hut heist die Pizza nicht Pizza sondern so etwas wie Kuchen auf chinesisch.

Ich ließ meine Lehrerin mir die Chinesischen Namen aufschreiben, damit ich beim nächsten mal auf Chinesisch bestellen kann.

Macchiato mi dian
Americano meishi hei kafei
Vanilla Latte Xiang cao natie
Cappuccino Kabuqinuo

Sandwich san ming zhi
Ham and cheese sandwich huotui zhishi san ming zhi
Club sandwich gongzu san ming zhi

Ich uebte mehrmals mit meiner Lehrerin bis ich die Namen im Kopf hatte. Jetzt bin ich gut vorbereitet! Ich rufe immer wieder an, denn der Kaffee ist wirklich lecker, nur leider werde ich bereits beim "Ni hao" erkannt, und das Telefon wird weiter gegeben... an den englisch sprechenden Mitarbeiter.

Sonntag, 22. Februar 2009

Hanzi

Inzwischen kann ich das überlebensnotwendigste auf Chinesisch sagen. Einige einfache Texte in chinesischer Schrift kann ich auch lesen. Zum Beispiel Ich heiße Wang Xiao Ming. Ich bin 10 Jahre alt und ich mag die Farbe rot. Ich lerne nämlich mit einem Buch für Kinder…
Letztens gab mir meine Lehrerin einen Stift und sagte mir ich soll was an der Tafel schreiben. In chinesischer Schrift diesmal. Ich weiß nicht mehr wie der ganze Satz lautete. Ich weiß nur er fing mit „ich“ an. Ich = Wo. Müsste ich mit links können. Ich wollte was schreiben da stellte ich fest mein Kopf war leer. Ich konnte keinen einzigen Strich mahlen. Ich dachte eine Weile nach und musste zugeben, dass ich das nicht kann. Meine Lehrerin fing an zu schreiben, da fiel es mir wieder ein. „Du“ sollte ich dann schreiben. Ich kriegte gerade die Hälfte hin. Unglaublich! Wieso kann ich das lesen aber nicht schreiben??? Tja, ich hatte mich darauf beschränkt, die Zeichen zu erkennen…
Meine Lehrerin erzählt mir, Kinder müssen während der ganzen Grundschulzeit jeden Tag mehrere Zeichen schreiben üben. Jahrelang braucht es.
Während dem Schreiben soll man auf einiges achten. Wie Reihenfolge und Richtung jedes Striches. Es ist nicht einfach so, dass man ein horizontaler Strich mahlt und darunter einen vertikalen beim Zeichen Xia für unten.

Es gibt sogenannte Grundstriche und jeder davon hat einen Namen, sodass man ein Zeichen diktieren kann. Kinder sollen während sie mehrmals das gleiche Zeichen schreiben, die Namen der einzelnen Grundstriche nennen. So wird jedes Zeichen im Gehirn dann nicht nur doppelt sondern dreifach gespeichert. Man speichert mit den Augen, mit den Ohren und mit der Bewegung der Hand. Es heißt einige Menschen müssen die Hand bewegen, um ein Zeichen erklären zu können.

Man kann auch Buchstabieren. Oder besser gesagt, wenn man einen neuen Namen mitteilt, macht auch klar, um welches Zeichen es sich dabei handelt. Denn für eine Laut kann es mehrere Zeichen geben.
Man sagt zum Beispiel ich heiße Guo 国. Guojia da Guo. Guo von Guojia. Also das Zeichen fuer Guo, welches im Wort Land vorkommt. (Guojia = Land). Oder Zuo, Gongzuo da Zuo, also das Zuo, welches im Wort Arbeit vorkommt.

Chinesisches Neujahr


Am 26. Januar 2009 fing das Jahr des Rindes an. Je näher dieses Datum kam, desto aufgeregter schienen alle zu sein.
Auf einmal sieht man neue Geschäfte oder Straßenstände, die Feuerwerk zum Verkauf anbieten. Geschäfte, Hotels, Restaurants und überhaupt, wer sich das leisten kann, schmückt Fenster, Türen und Bäume. Die Stadt verkleidet sich rot und golden.
Die Kollegen wollen verreisen oder wollen Geschenke für die Verwandte kaufen. Dann wird über das leckere Essen geredet, welches für diese Tage vorbereitet wird.
Es heißt die nächsten Wochen hockt man zusammen und es wird ganz viel gegessen. Fast für jeden Tag ein besonderes Essen. Und Feuerwerk darf man natürlich nicht vergessen.
Ich habe nämlich verschiedene Gründe gehört, warum das Feuerwerk so besonders und nicht wegzudenken ist. Eine Kollegin sagte, wenn sie den Krach des Feuerwerks hört, dann wird sie daran erinnert, es ist die Zeit der Feierlichkeiten! Andere Kollegin erzählte mir von einem Taxifahrer, der 15000 RMB für Feuerwerk opferte, damit das Geschäft des nächsten Jahres gut gehen möge. Und es heißt auch, Feuerwerk bringt nicht nur Glueck sonder vertreibt auch das Böse. Es gibt verschiedene Varianten von Feuerwerk. Es gibt Feuerwerk für Tagsüber. Dieser macht nur Krach. Man sieht gar nichts im Himmel, es sei denn, man ist in der Nähe, dann sieht man eine Rauchwolke. Ich kannte dieses Geräusch nicht, man gewöhnt sich schnell dran. Nach einigen Tagen nimmt man das fast gar nicht mehr wahr. Für abends, wenn es dunkel ist, gibt es buntes und leuchtendes in allen Größen. Mit und ohne Krach. Das Lieblingsstück der Kinder schienen aber die kleinen roten Knaller zu sein, die sie anzündeten und dann unter die Autos warfen. Es krachte kurz und laut und aktivierte die Alarmanlagen aller Autos in der Straße. Einmal kamen wir abends heim und sahen vor der Wohnanlage kleine Kerle dabei, Feuerwerk anzuzünden. Einer der Feuerwerkskörper explodierte nicht. Ein etwa 9 Jahre altes Kind zündete sein Feuerzeug an und ging zum Feuerwerkskörper hin. Ich blieb atemlos stehen und Georg sagte Oh oh…
Zum Glueck ist nichts passiert und wir gingen in die Wohnanlage rein. Vorbei an den Muttern der Kinder, die sich gerade weiter unterhielten, als spielen die Kinder im Sandkasten.

Die Schulen und Unis machen Ferien während dieser Zeit. Das hat zur Folge, dass auch die Straßenständen Pause machen. Auch die Taxis werden immer weniger und Geschäfte und sogar das Schwimmbad macht zu. Wenn man also nicht Chinese ist, und keine Familie zum Feiern hat, kann das Leben nicht nur langweilig, es kann auch schwierig werden. Viele Ausländer verreisen in dieser Zeit. Das Flugzeug von Xi’an nach Bangkok war zu 90% mit Ausländern belegt.

Der 9. Februar, also der 15te Tag des Jahres ist ein wichtiger Tag im chinesischen Kalender. Der Tag des Laternenfestes. Und wieder eine willkommene Gelegenheit für noch mehr Feuerwerk. Wie der Name schon sagt, gibt es an diesem Tag überall Laternen. Die alte Mauer in Xi’an wurde dafür ganz schön geschmückt.






An diesem Montag haben wir ganz normal gearbeitet. Nach der Arbeit gingen wir auf die Terrasse im 6 Stockwerk und schauen 5 Minuten lang das Feuerwerk in der Umgebung an. Obwohl wir weit vom Zentrum waren, in welche Richtung auch immer man schaute, es dauerte nicht lange, bis so eine Feuerwerkblume zu sehen war. Dann fuhren wir in die Stadt rein. Zur Mauer. Wie viele andere auch. Dort gab es noch mehr Feuerwerk und auf der Mauer viele Laternen zu bestaunen. Die Laternen hatten die verschiedensten Formen und stellten Kapiteln aus der Geschichte oder der Moderne dar.

Da waren zum Beispiel kleine Häuser aus Bambus in sehr schöner Bauweise. Die Kollegin fragte mich, sieht das in Kyoto so aus? Ja, es sieht so aus. Das ist weil Kyoto nach der damaligen Hauptstadt der Tang Dynastie gebaut wurde. So sah Xi’an einmal aus.

Dienstag, 17. Februar 2009

Gestrandet

Es war am Freitag den 23 Januar. Nur noch zwei Tage und dann beginnt das neue Jahr in China. Die ganze Woche spürte ich viel Aufregung in der Luft. Die Kollegen bereiten sich auf die Reise zu den Verwandten vor. Und reist Du? Fragte ich eine Kollegin. Sofort ein strahlendes Lächeln und ein Ja! Ich fahre zu meinen Eltern. Meine frisch verheirateten Kollegen bereiteten sich auf die Reise in sein Heimatdorf. Es wird das erste mal sein, dass sie dort ist. Tickets werden gekauft, es wird viel gearbeitet, denn alles muss fertig werden vor dem Urlaub. In der letzten Woche sind immer wenigeren Kollegen bei der Arbeit. Alex kommt am Mittwoch mit seinem Gepäck und so gegen fünf Uhr geht er. Frohes Fest sagt er zu den bleibenden.
An diesem Freitag ist es sehr einsam. Wir wollen ebenfalls alles fertig machen, denn am Samstag fliegen wir für ein Paar Tage nach Thailand. Es war schon spät, so gegen 17:30 Uhr. Da sendet mir Georg folgende Nachricht: Wir sind pleite.
Da Ende Dezember die Firma gerettet zu sein schien, wusste ich nicht, wer damit gemeint war. WER ist pleite? Fragte ich. Die Antwort war: Die Firma.
Ich saß einige Minuten etwas gelähmt vor dem Rechner. Ich stand auf und lief zur Toilette. Dort treffe ich eine chinesische Kollegin, die mich fragt, ob ich die Nachrichten über Qimonda gehört hatte. Ich zögerte… wenn mich hier irgendetwas immer wieder wundert, ist wie schnell sich eine Nachricht verbreitet. Die wenigen, die dort waren hatten schon auf diverse Nachrichtenseiten die Nachrichten gesehen. Andere hatten nach München telefoniert. Die Kollegin aus München erzählte weinend, wie groß der Schock gewesen sei. Ausgerechnet vor dem Chinesischen Neujahr! Sagte die Kollegin. Tja, es wird ein Fest mit langen Gesichtern.
Alle gingen in den Urlaub. Wir auch. Was sollen wir hier bleiben. Es ist auch keiner, aber wirklich keiner mehr da.
Am Montag den 2. Februar waren die Ferien für die meisten vorbei. Ich hatte etwas Angst vor der schlechten Stimmung in der Arbeit. Es war nicht so schlimm wie ich gefürchtet hatte. Zwar war keiner am frohlocken, aber die chinesischen Kollegen versuchten die Situation mit Ruhe anzugehen.
Viel schlechter war die Stimmung bei den Delegierten. Man bespricht die schlimmsten Szenarien. Vieles was vereinbart war, wie zum Beispiel Jobgarantie in München, Bezahlung der Umzugskosten u.s.w. kann nicht eingehalten werden, wenn die Firma nicht überlebt. Irgendwie logisch… Was tun? Wohin gehen? Gehen oder nicht gehen? …
Zahlungsunfähigkeit ist eine blöde Sache lerne ich dann weiter während den nächsten Tagen. Ein Kollege der vor kurzem zurückgekehrt ist bekommt seine Möbel nicht, weil die Firma die Umzugsrechnung nicht bezahlen kann. Auch die Lagerung der Möbel wird wahrscheinlich nicht weiter bezahlt, weil das ja nicht geht…
Von diesen Unannehmlichkeiten abgesehen ist die Geschichte ziemlich traurig.
In dem letzten Jahr wurde sehr hart gearbeitet. Die Mitarbeiter wollten unter allen Umständen die neue Technologie voranbringen, damit die Firma wieder Profit machen kann, und viele arbeiteten bis zum geht nicht mehr. Und das Ziel ist nicht mehr weit.
Aber noch ist nichts entschieden. Erst am Ende des Insolvenzverfahren weiß man genaueres… bis dahin heißt es ab…war…t..en.