Dienstag, 17. Februar 2009

Gestrandet

Es war am Freitag den 23 Januar. Nur noch zwei Tage und dann beginnt das neue Jahr in China. Die ganze Woche spürte ich viel Aufregung in der Luft. Die Kollegen bereiten sich auf die Reise zu den Verwandten vor. Und reist Du? Fragte ich eine Kollegin. Sofort ein strahlendes Lächeln und ein Ja! Ich fahre zu meinen Eltern. Meine frisch verheirateten Kollegen bereiteten sich auf die Reise in sein Heimatdorf. Es wird das erste mal sein, dass sie dort ist. Tickets werden gekauft, es wird viel gearbeitet, denn alles muss fertig werden vor dem Urlaub. In der letzten Woche sind immer wenigeren Kollegen bei der Arbeit. Alex kommt am Mittwoch mit seinem Gepäck und so gegen fünf Uhr geht er. Frohes Fest sagt er zu den bleibenden.
An diesem Freitag ist es sehr einsam. Wir wollen ebenfalls alles fertig machen, denn am Samstag fliegen wir für ein Paar Tage nach Thailand. Es war schon spät, so gegen 17:30 Uhr. Da sendet mir Georg folgende Nachricht: Wir sind pleite.
Da Ende Dezember die Firma gerettet zu sein schien, wusste ich nicht, wer damit gemeint war. WER ist pleite? Fragte ich. Die Antwort war: Die Firma.
Ich saß einige Minuten etwas gelähmt vor dem Rechner. Ich stand auf und lief zur Toilette. Dort treffe ich eine chinesische Kollegin, die mich fragt, ob ich die Nachrichten über Qimonda gehört hatte. Ich zögerte… wenn mich hier irgendetwas immer wieder wundert, ist wie schnell sich eine Nachricht verbreitet. Die wenigen, die dort waren hatten schon auf diverse Nachrichtenseiten die Nachrichten gesehen. Andere hatten nach München telefoniert. Die Kollegin aus München erzählte weinend, wie groß der Schock gewesen sei. Ausgerechnet vor dem Chinesischen Neujahr! Sagte die Kollegin. Tja, es wird ein Fest mit langen Gesichtern.
Alle gingen in den Urlaub. Wir auch. Was sollen wir hier bleiben. Es ist auch keiner, aber wirklich keiner mehr da.
Am Montag den 2. Februar waren die Ferien für die meisten vorbei. Ich hatte etwas Angst vor der schlechten Stimmung in der Arbeit. Es war nicht so schlimm wie ich gefürchtet hatte. Zwar war keiner am frohlocken, aber die chinesischen Kollegen versuchten die Situation mit Ruhe anzugehen.
Viel schlechter war die Stimmung bei den Delegierten. Man bespricht die schlimmsten Szenarien. Vieles was vereinbart war, wie zum Beispiel Jobgarantie in München, Bezahlung der Umzugskosten u.s.w. kann nicht eingehalten werden, wenn die Firma nicht überlebt. Irgendwie logisch… Was tun? Wohin gehen? Gehen oder nicht gehen? …
Zahlungsunfähigkeit ist eine blöde Sache lerne ich dann weiter während den nächsten Tagen. Ein Kollege der vor kurzem zurückgekehrt ist bekommt seine Möbel nicht, weil die Firma die Umzugsrechnung nicht bezahlen kann. Auch die Lagerung der Möbel wird wahrscheinlich nicht weiter bezahlt, weil das ja nicht geht…
Von diesen Unannehmlichkeiten abgesehen ist die Geschichte ziemlich traurig.
In dem letzten Jahr wurde sehr hart gearbeitet. Die Mitarbeiter wollten unter allen Umständen die neue Technologie voranbringen, damit die Firma wieder Profit machen kann, und viele arbeiteten bis zum geht nicht mehr. Und das Ziel ist nicht mehr weit.
Aber noch ist nichts entschieden. Erst am Ende des Insolvenzverfahren weiß man genaueres… bis dahin heißt es ab…war…t..en.

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