Dienstag, 31. März 2009

Musikgenuss - Klarinettenkonzert in Xi'an

Zu dem letzten deutschsprachigen Stammtisch in Xi’an kamen einige neue Gesichter. Da war ein junger netter Chinese, der vor kurzem aus Deutschland zurückgekommen ist. Er hat dort Musik studiert. „Meine Professorin Sabine Meyer ist die beste Klarinettistin der Welt“ sagte er stolz. Er lädt uns ein zu seinem Solo Konzert, das zwei Tage später im Musikkonservatorium stattfinden wird. „In zwei Tagen schon?“ „Gibt es Informationen dazu im Internet“ wir sind begeistert und fragen und fragen. Denn viele der Anwesenden haben während des Aufenthalts in Xi’an so was nicht gehabt. Es gibt keine Infos im Internet und das Konzert wurde vor kurzem erst organisiert. So erfahren wir, dass in Xi’an des öfteren Konzerte gibt, nur kurzfristig und ohne zu viel Werbung. Wir freuen uns und der Abend des Donnerstags ist jetzt für das Konzert reserviert.

Am Abend des Donnerstags regnet es in Strömen. Ich schaffe es trotzdem um 19:30 Uhr im Konzertsaal zu sein und reserviere einige Plätze in der dritten Reihe. Langsam füllt sich der Saal. Um 20:00 Uhr ist der Saal voll und ein Herr steigt auf die Bühne. Er begrüßt das Publikum auf Chinesisch. Zu unserer Freude begrüßt er das Publikum dann auch auf Deutsch. Er schließt mit den Wörtern: „Dieses Konzert macht er für seine Familie, seine Freunde, seine Hochschule und für seine Stadt“.

Drei Stücke werden vom Klavier begleitet. Ein Stück aber spielt er alleine und es handelt sich dabei um ein modernes Stück für Klarinette. Die Zeit vergeht zu schnell und das Konzert ist leider viel zu schnell vorbei. Das Publikum ist begeistert und klatsch! Der Klarinettist und die Klavierspielerin kommen wieder auf die Bühne. Ein Blumenstrauß wird ihm gereicht. Dann geht er wieder hinter die Bühne. Klatsch, klatsch, klatsch … immer lauter. Die Musiker sind wieder auf die Bühne und diesmal sind es mehrere Blumensträuße. Mit den vielen Blumen balancierend geht er wieder hinter die Bühne.


Während die eine Hälfte der Zuhörer den Saal verlassen, will die andere Hälfte nach vorne, um den Musiker zu gratulieren. Eltern, Professoren, Freunde. Begeistert und gerührt gehen auch wir, denn zwar hätte ich auch sehr gerne die Hände von „Li Xin“ geschüttelt aber heute sind die Eltern und Freunde dran.

Freitag, 27. März 2009

Nicht einer von uns

Einmal als ich zu Besuch bei meinen Schwiegereltern war, hatte ich eine sehr interessante Unterhaltung. Ein Handwerker fragte mich nach dem Herrn Müller. Ich antwortete er sei gerade nicht zuhause. Meine Schwiegermutter ist auch nicht da, sie kommen später. Während ich mit ihm sprach, beobachtete er mich ganz genau. Er beobachtete mein Gesicht mit den nicht gerade deutschen Gesichtzügen. Er beobachte meinen Mund, der sich bewegte und aus dem Wörter kamen, die anders klangen. Ich beobachtete, wie er etwas nervös und ratlos wurde, wie er anfing langsam und etwas deutlicher zu sprechen. Ich beobachtete, wie er seine Hände dabei bewegte, als würden die Wörter gar nicht reichen. Abgelenkt von so vielen Beobachtungen habe ich fast nicht gehört, was er gesagt hat. Sie kommen später noch mal? Fragte ich. Ja! Sagte er, den Kopf stark von oben nach unten und zurück bewegend.

Zu Besuch in Kolumbien fragt Georg an der Hotel Rezeption wo die Toiletten sind. Die Frau schaute konzentriert und angestrengt den Georg an. Während er sprach, sah sie seinen schönen blauen Augen und fragte sich möglicherweise ob er „Gringo“ sei und ob er 2 Meter groß sei oder noch größer. Als seinen Mund sich nicht mehr bewegte und Georg sie anschaute, als warte er auf eine Antwort, schaute sie mich fragend an. „En donde estan los banos“ wiederholte ich. Ich sagte genau den gleichen Satz, den Georg gesagt hatte. Sie verstand auf einmal. Sehr enttäuscht fragte mich Georg, warum die Leute ihn nicht verstehen. Ich sagte ihm, die Leute brauchen etwas Zeit, bis sie merken, dass Du deren Sprache sprichst. Fang mal mit ein paar höflichen Floskeln an. Empfahl ich. „Buenos dias senorita“ o „Disculpe, tengo una pregunta“. Falls es sich um ein nettes hübsches Mädchen handelt, sagte mein Vater, dann fange am besten mit „Mi amor“ an. Meine Liebe.

Nun in China ist es so, dass selbst Chinesen sich manchmal einander nicht verstehen. Weil das Land so groß ist und die Aussprache in den verschiednen Regionen bwz. Minderheiten sehr unterschiedlich ist. Manchmal müssen sie anfangen Zeichen in der Luft zu zeichnen oder sogar auf Papier. Wenn selbst die Kommunikation mit einem anderen Chinesen so schwierig sein kann, wie soll es nur klappen mit einem Ausländer?! Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Von Grins- oder Lachanfälle bis zu Stummheit. Von Begeisterung bis Ärger. Oh je! Kopfschütteln, weg gehen, etc.

Meine österreichische Kollegin, die schon fast 5 Jahre hier ist, und sehr gut chinesisch spricht, sagt dem Taxifahrer wohin. Der Taxifahrer schaut sie an, sagt nichts und dreht sich fragend zu mir. Weil ich weniger ausländisch, ja manche sagen ein bisschen chinesisch aussehe. Da ich nichts sagen kann, dreht er sich wieder zu meiner Kollegin, die das Ziel noch mal sagen muss.

Vor ein Paar Tagen war ich mit Kristine in einem chinesischen Kaffee. Ich versuche zu fragen, ob der Milchtee heiß oder kalt sei. Die zwei Mädchen schauen sich an und schütteln den Kopf. Ich bestelle dann einen Milchkaffee.
Ein Mädchen kommt mit der Bestellung und versucht sich mit Kristine zu unterhalten. Wir verstehen nichts und müssen lachen. „Bitte sagen Sie das noch einmal“, sage ich. Etwas verlegen und rot im Gesicht, fragt das Mädchen noch mal. Ich glaube sie will wissen, wie lange Du in Xi’an bist. Sage ich. Kristine antwortet „11 Monate“. Das Mädchen schaut die große Kristine mit ihren hellblauen Augen und ihrem hellen Haar so an, als sehe sie gerade eine Glücksfee, oder gar einen Engel. Grinsend und Kristina anschauend geht das Mädchen wider. Als wir dann bezahlen, spricht das Mädchen wieder mit Kristina. Ihr chinesisch sei sehr gut. Kristina lacht, und bedankt sich.
Wenn Georg Chinesisch spricht, und sei es nur ein „Nihao“ dann bekommt er oft ein „Ni da Hanyü hen haoting“ sie sprechen sehr gut chinesisch. Ich bekomme nicht so oft Komplimente. Im Gegenteil, letztens schaffe ich es, dem Taxifahrer zu sagen, er soll umdrehen und zurückgehen, denn meine Freundin hatte was im Taxi vergessen. Der Taxifahrer macht das und redet mit mir. Ein Satz blieb hängen. „Ni de Fayin bu tai hao“ Deine Aussprache ist nicht wirklich gut. Hm. Ich dachte Chinesen sind diplomatisch und nicht so direkt…
Vielleicht weil ich schwarze Haare und schwarze Augen habe, müsste ich chinesisch besser sprechen können, als wenn ich helle Augen, helle Harre und eine längere Nase hätte. ;-)

P.S. letztens lernte ich eine Deutsch-Argentinierin kennen. Ich hatte schon von ihr gehört und fragte sie gleich am Anfang „tu hablas espanol?“. Dann redeten wir eine weile auf Spanisch. Sie sprach perfekt spanisch mit argentinischen Akzent. Während sie sprach dachte ich mir, sie ist eigentlich ziemlich argentinisch. Dann wechselten wir auf Deutsch. Ihr Deutsch war ebenso perfekt. Mit den Ja’s und ehm’s alle an den richtigen Stellen. Während sie sprach, merkte ich, dass sie sich für mich verwandelte. Von einer waschechten Argentinierin in eine waschechten Deutschen.

Dienstag, 24. März 2009

Stadtplanung

Als ich gerade in Xi’an angekommen war, wurde ich gewarnt, ich solle mich nicht 100% auf die Karte verlassen, denn laut Karte sollte es in der Nähe der Wohnanlage eine kleine Strasse sein. Da wo die Strasse sein sollte war aber ein kleines einfaches Wohnviertel, und gar keine Strasse.
Einige Monate später war dann dieselbe Karte etwas genauer, denn die Strasse war auf einmal da. Und das kleine Wohnviertel war natürlich nicht mehr da.

Dann eines Morgens hieß es, ich soll auf die andere Seite der Tang Yan Lu sehen. Das ist die Strasse, die an der Wohnanlage grenzt, und auf deren rechten Seite nichts als eine lange 2 Meter hohe Wand gab. Die 2 Meter hohe Wand und die in etwa 4 mal 4 Meter große Werbungsplakate waren auch weg. Man konnte auf ein weites leeres Feld sehen und dahinter den Eingang eines schönes neues Wohnkomplexes.

Wenn hier gebaut wird, dann wird als erstes eine 2 Meter hohe Wand um das Gelände gebaut. Dann weiß man nicht, was hinter der Wand alles passiert. Mit der Seite wächst hinter der Wand ein Baugerüst oder auch nicht, und nach einigen Monaten „Sim sala bim“ die Wand ist weg und das neue Gebäude oder der neue Park erscheint an ihrer Stelle.

Das leere Feld auf der rechten Seite der Tang Yan Lu war nicht lange leer. An einem frühen Morgen parkten mehrere Lastwagen an der Strasse. Ein Paar von denen waren mit Arbeitern geladen. Die anderen mit Bäumen.


Innerhalb von wenigen Tagen bepflanzten die Arbeiter das Gelände mit den Bäumen. Dann blieben nur noch einige Zehn Frauen vor Ort, die in den nächsten Tagen den Rasen anpflanzten. Pflänzchen für Pflänzchen. Das gleiche ist ein Paar Strassen weiter auch so passiert.


Georg beobachte etwas ähnliches aber nicht mit Bäumen sondern mit Blumen. Zwei Lastwagen bleiben plötzlich an einer Verkehrsinsel stehen. Arbeiter springen aus dem einen und holen Blumen aus dem anderen. Dann Zack! Ganz „rucki zucki“ war die Verkehrsinsel fertig. Die Arbeiter steigen ein und weg sind sie. Richtung nächste Baustelle.

Wir wohnen im Südwesten der Stadt. Unser Wohnviertel „Gaoxin district“ entstand dort, wo vor etwa 8 Jahren das alte Flughafen war. Vor etwa 5 Jahren als die ersten Kollegen herkamen, soll es hier ganz anders ausgesehen haben. Die große Tang Yan Lu Strasse und das große Supermarkt gab es gar nicht. Auf Grund der Bauarbeiten waren Strom und Wasserausfall an der Tagesordnung. Inzwischen befinden sich im Gaoxin district mehrere Unternehmen, das Gaoxin Krankenhaus, mehrere Banken etc. Die Straßen sind breit und immer wieder findet man Fleckchen für Bäume oder sogar kleine Parks.

Es klappt nicht immer, dass ein Baugelände abgeriegelt wird. So kann man in der Chang An Lu, wenn man die Fußgängerbrücke läuft nach unten in die Baustelle für die U Bahn sehen.



Die Chang An Lu ist die Strasse, die von Süden in das Zentrum geht. Nicht nur ist die Strasse viel befahren, rechts und links befinden sich die wohl populärsten Geschäfte und Einkaufsviertel der Stadt. Entsprechend ist das Chaos wegen der Baustelle. Aber es wird wohl nicht lange so bleiben.

Montag, 16. März 2009

Die Himmelrichtungen

Mit den Namen von wichtigen Städten in China kann man sich die Himmelsrichtungen merken:
北京Bei jing = Bei steht für norden. Jing für Hauptstadt. Dann gibt es noch
南京 Nan jing = Nan steht für Süden. Jing für Hauptstadt. Eine weitere Hauptstadt während der Chinesischen Dynastien war,
西安 Xi’an = Xi steht für westlich. An bedeutet Ruhe, Frieden.
Bleibt东 Dong = Osten. Zuerst dachte ich. Es gibt keine Stadt mit Dong. Aber dann erfuhr ich, Dong jing ist der chinesische Name für Tokyo.

Xi’an ist für ihre große und vollständig erhalten gebliebene Stadtmauer berühmt. Insgesamt ist die Mauer 14 Kilometer lang. Man kann sich dort oben ein Fahrrad leihen und einmal rum gehen. Die Mauer hat vier Haupteingänge oder Tore: 北门 bei men, 南门 nan men, 西门 xi men, 东门 dong men. Die Tore dienen nicht nur als Eingang zu der Stadtmauer sondern auch als Treffpunkte.






In der Mitte der Mauer ist das Glockenturm. Der Glockenturm ist ebenfalls ein beliebter Treffpunkt und leicht auszusprechen: Zhonglou.




Um reinzukommen empfehle ich aber die Unterführung. Zwar hat der Glockenturm noch ein Eingang, aber um dahin zu kommen muss man über die Strasse laufen. Was auch ein Erlebnis sein kann.


Man sollte sich die Zeit nehmen und immer wieder runter schauen.





Verkehrt rum.
Man sagt hierzulande nicht nordöstlich oder südwestlich sondern ostnördlich und westsüdlich. Also nimmt man zuerst die Ost West Achse und erst dann die Süd Nord Achse.

Gemüse.
Kürbis heißt 南瓜 Nan gua, Wassermelone heißt 西瓜 Xi gua. Letztens sagte mir jemand, Kürbis und Wassermelone müssten verwandt sein. Warum? Fragte ich. Ja, weil Kürbis nan für südlich im Namen enthält und Wassermelone Xi für westlich im Namen enthält.

西门子 Xi men zi
Bei diesem Wort geht es nicht um die Bedeutung der einzelnen Zeichen sondern um deren Klang. Ximensi, der Name für Siemens.

Es könnte so einfach sein

Qianzahng hört dem Optiker zu. Der Optiker hält meine neue Brille in den Händen und erklärt Qianzhang dies und das. Qianzhang nickt mit dem Kopf und überlegt, was er mir sagen soll. Der Optiker sagt, Du brauchst nicht die Gläser der Brille austauschen zu lassen. „Aber die Brille ist schief“ sage ich. „Sage bitte dem Optiker, dass ich inzwischen viele Leute gefragt habe, und alle sehen das wie ich. Die Brille ist schief“. Wieder unterhalten sich der Optiker und mein Kollege. Der Optiker setzt mir die Brille ab und auf. Beide schauen mich an und unterhalten sich. Ich nehme nochmals die Brille und stelle sie auf dem Tisch. Ich zeige mit meinem Finger, dass die Gläser nicht 100% symmetrisch im Rahmen montiert wurden. Mit der Folge, dass der Bügel über der Nase zu einer Seite nach unten geneigt zeigt. „Yi dianr“ höre ich die beiden sagen. „Ein Bisschen“. Dann kommt irgendwas wie „Deguoren shi hen …“ Deutsche sind sehr … genau nehme ich an. Das Wort kannte ich nicht. Der Optiker und ein andere Angestellte lächeln sich an. „Die Brille war nicht billig und ich will, dass sie richtig sitzt“. Der Optiker schraubt die Brille auseinander und wieder zusammen. Das bringt nichts, denn meine Brille hat keinen Rahmen. Die Gläser werden über eine Schraube am Bügel festgehalten. Nur die Löcher für die Schrauben sind halt etwas… unsymmetrisch… Meiner Meinung nach, müsste das linke Glas noch mal gemacht werden. Mit einem genaueren Loch. „Es ist nicht besser“ sage ich etwas verzweifelt. Mein Kollege versucht es noch mal. Ich höre das Wort „Ingenieur“. Wieder wird was gedrückt, gebogen, etc. Und ich kriege die Brille aufgesetzt. Der Optiker ist etwas genervt jetzt. Ich denke mir, ich muss noch einmal kommen, aber diesmal mit jemandem, der schimpfen kann. „Ich nehme die Brille mit und probiere sie aus“ sagte ich. Lass uns gehen Qianzhang, ich denke es ist etwas besser.
Unterwegs unterhalte ich mich mit Qianzhang. Er sagt, der menschliche Körper ist nicht 100% symmetrisch. Mal hat man einen größeren Fuß, ein tieferes Ohr, ein kleineres oder größeres Auge. Ich atme tief ein und aus. Er erklärt mir weiter, dass deshalb viele Brillen etwas schief sitzen, weil viele Gesichter nicht symmetrisch sind. Er nimmt seine eigene Brille als Beispiel. Ich sage, es müsste möglich sein, eine Brille an ein etwas unsymmetrisches Gesicht anzupassen. Ja, es müsste möglich sein, sagt Qianzhang und lacht etwas verzweifelt. Dann versuche ich es mit einer andern Strategie. „Ich wollte eine schönere Brille als vorher. Und Du weißt wie Frauen sind“. „Ja, ich weiß“ sagte Qianzhang lächelnd.

Ich muss auch noch Telefon aufladen, sage ich Qianzhang. Kannst Du mir dabei helfen. Klar, mache ich! Telefonrechnungen sind hier nicht üblich. Stattdessen muss man Guthaben aufladen und entweder man denkt rechtzeitig daran, wieder aufzuladen, oder man hat eines Tages keine Internetverbindung mehr… Mit Handy, Gas und Strom ist es genau das Selbe. Zum Aufladen geht man in Line community charges Büros. Die sind überall in der Stadt zu finden. Alle mit dem gleichen Logo. Man muss nur lesen können, dann findet man sie schon… Im Büro schreibe ich meine Festnetznummer auf. Die Angestellte gibt sie im Computer ein. Zu wem gehört der Anschluss? Ha, ich bin vorbereitet. Ich zeige Qianzhang eine SMS mit dem chinesischen Namen des Hausbesitzers. Leider in Pinyin und nicht in chinesischer Schrift. Die Angestellte will genau wissen, um welche chinesischen Zeichen es sich dabei handelt. Oh, sorry aber das wissen wir nich, wir haben nur den Namen in Pinyin. Die Angestellte fragt, ob ich sicher sei, über die Nummer. Ja, sage ich. Wie viel wollen sie zahlen? 1000 Yuan. Ne, das geht nicht. „Das ist zu viel Geld“ sagt mir Qianzhang. Wie viel kann ich zahlen? 100 Yuan. „Aber ich bin schon in Minus 500“ ich muss mindestens 500 zahlen. Nein das geht nicht, aber morgen geht das. Wieso geht das morgen und nicht heute? Qianzhang unterhält sich mit der Angestellten und überlegt sehr lange, findet aber die Wörter nicht auf Englisch. OK, ist gut. Meint sie, ich soll in ein anderes Büro gehen? Ohne sie zu fragen, nickt Qianzhang zustimmend. Ok, dann muss ich mich beeilen, denn es ist schon nach 17:00 Uhr und die machen um 18:00 Uhr zu.

Ich entdeckte im Stadtzentrum ein Fotostudio. Ich suchte einen Nachmittag meine schwarze Jacke aus und ging dahin. Ein sehr schönes Studio. Macht einen guten Eindruck. Ein Pärchen macht gerade Fotos für die Hochzeitskarten. Die werden geschminkt und schön gerichtet. Große Lampen werden gebracht. Das Mädel, welches sich um mich kümmert, spricht so wenig Englisch wie ich Chinesisch. Sie versteht, dass ich kleine Fotos für meinen Lebenslauf will. Sie zeigt mir zwei Beispiele. Es gibt 4 größere Fotos oder 12 kleinere. Ich zeige auf die größeren. Bis dahin alles klar. Ich will 5 verschiedene Aufnahmen versuche ich ihr zu sagen. Sie ruft eine Freundin an und spricht mit ihr, dann gibt sie mir das Handy. „Hallo? What do you want?“ Ich erkläre alles von vorne und gebe das Telefon zurück. Das Mädel schüttelt den Kopf und erklärt ihre Freundin irgendwas. Dann bekomme ich das Telefon noch mal. Wie viele Fotos? 5 verschiedene. But you could have one! Ja, ich weiß, aber ich will 5. 5 verschiedene. Ich gebe das Telefon weiter. Ich nehme ein Blatt und zeichne was ich will. Insgesamt 20 Bilder. 5 verschiedene Fotos, und natürlich von jeder 4. Ach so. Dann, geht es um Preis und Abholdatum. Morgen ist billiger. Morgen ist gut. Ok.
Ich wurde in ein anderes Zimmer gebracht. Das Mädel erklärt dem Fotograf was ich will. Der Fotograf schüttelt den Kopf und schimpft mit dem Mädel. Das Mädchen ist kurz davor zu weinen. Was ist denn jetzt wieder? Frage ich mich. Ich werde es wohl nie erfahren. Der Fotograf stellt mich hin und mit den Händen fragt er mich, wie groß die Aufnahmen sein sollen. Ich zeige Kopf und Schulter. Nein das geht nicht. Ganzer Körper oder bis zu den Beinen. Na gut, dann bis zu den Beinen, Du meine Gute!

Donnerstag, 5. März 2009

Neulich in der Notaufnahme des Gaoxin Krankenhauses

Eigentlich wollte ich früh ins Bett gehen. Stattdessen ist es 02:00 Uhr in der Nacht und es wird noch eine Weile dauern, bis ich ins Bettchen fallen kann.

Es war eine sehr anstrengende Woche gewesen für alle Kollegen. Die schlechte Situation der Firma, die Ungewissheit, die langen Gesichter der Kollegen, u.s.w. Es war endlich Freitag…
Wir gingen nach der Arbeit in ein japanisches Restaurant in der Innenstadt. Wir waren so um die 10 Leute und hatten ein großes Zimmer nur für uns, so wie einen Fernseher und einen Koch. Wir bekamen die Speisekarte. Sollen wir eine große Platte Sushi bestellen, jetzt wo wir uns das noch leisten können? Fragte die Kollegin. Ja, bestelle die größte! Und Sake oder Pflaumenwein? Beides und Bier! Alles was besoffen macht!
Das Essen wurde vor uns zubereitet. Es gab leckeres Fleisch und immer wieder einen Trinkspruch. Worauf sollen wir trinken? Auf das Februargehalt! Ja, das ist eine gute Idee. Auf das Februargehalt! Wir waren fast alle Ausländer. Nur zwei Chinesinnen waren dabei. Es wurde viel, laut und auf englisch und deutsch gesprochen und gewitzelt. Aber mit dem Koch und mit der Bedienung wurde Chinesisch gesprochen, oder zumindest versucht… Es war mit Sicherheit kein leichter Arbeitstag für die Restaurantangestellten.
Der Pflaumenwein ist alle! Ich bestelle noch ein Paar Fläschchen. Ist gut! Und Asachi Bier bitte. Wie heißt noch mal das Asachi Bier auf Chinesisch? Fuwuyan! (Herr Ober!)
Das Restaurant befindet sich im vierten Stockwerk eines Gebäudes in der Innenstadt. Direkt über einer neuen und berühmten, berüchtigten Disko. Da gab es nämlich vor einigen Monaten eine Schlägerei mit Messer… was eigentlich sehr selten ist hierzulande. Ich war schon mal da gewesen. Nicht mal 5 Minuten lang habe ich es dort ausgehalten, denn es war unerträglich laut, man könnte nur an eine Tisch sitzen, wenn man mindestens für umgerechnet 50 Euro bestellt hatte und die Atmosphäre war auch nicht berauschend. Aber an diesem Freitag hatte die Disko besondere Veranstaltung mit besonderen Gästen! Ich kann mich nicht mehr an den Namen der Veranstaltung erinnern, Latino Party vielleicht, oder Salsa Evening, keine Ahnung. Jedenfalls war auf ein Plakat vor dem Eingang ein Photo der beiden jungen und braun gebrannten Sängern.
Das Essen war schon längst ausgegessen. Es war schon so gegen zehn. Zeit das Restaurant zu schließen. Aber die Leute machten keine Anstalten weg gehen zu wollen. Die Bedienung wartete müde und etwas gelangweilt.
Die Frau des Kollegen schien sich auch zu langweilen und fragte mich, ob ich den Plakat gesehen hatte. Sie ist nämlich eine leidenschaftliche Tänzerin und mag Salsa besonders gerne. Let’s check it out. Sagte sie. Ich musste grinsen und nickte mit dem Kopf. Und unsere Rucksäcke fragte ich sie. Die anderen sollen nachher dann runter gehen, wenn sie wollen. Sie, meine Kollegin und ich gingen runter.
Als wir reingingen war es in der Disko gar nicht laut. Im Gegenteil. Es war nichts zu hören. Seltsam!. Die Sänger waren dabei sich und ihre Instrumente vorzubereiten. Dann ging der Sänger auf die kleine Bühne und die Party fing an. Wow! Ich war von der ersten Sekunde an begeistert. Schöne Stimme, schönes Lied und der Sänger strahlte so viel Energie… er wollte alle Gäste zum tanzen motivieren. Er hatte nicht viel Erfolg. Die Gäste wollten weiter auf ihren Stühlen sitzen bleiben. Die Tanzfläche gehörte uns! Als hätte man an einem Knopf gedruckt, fingen wir an wild zu hüpfen. Als das erste Lied zu ende war bemerkte ich erst, dass die restlichen Kollegen alle am Eingang zu uns schauten. Wollt ihr hier bleiben? Wir sind müde und wollen nach hause! Nur noch ein weiteres Pärchen entschied sich zu bleiben. Ich bleibe noch ein bisschen, sagte ich. Hast Du Geld? Fragte mich Georg und druckte mir einige 100 Yuan Scheine in die Hand. Dass ich das Geld noch brauchen würde habe ich mir nicht gedacht…
Ich konnte meine Ohren nicht glauben! Die Band spielte ein super Lied von Mana, eigentlich Rock auf Spanisch. Ich drehte noch mehr durch und schupste die anderen auf die Bühne. Dort haben wir heftig mit den Kopf geschaukelt, aus Spaß… Dann wurde so eine Art Tanzkette gebildet. Immer mehr Leute kamen dazu und wir tanzten durch den Lokal. Kurz gesagt, wir hatten viel Spaß.
So gegen Mitternacht stellte sich heraus, dass die Band nicht mehr spielen würde. Einer der Sänger ging nämlich weg. Ich war ziemlich müde und fragte dann, ob wir gehen sollen. Ja, trinken wir das Bier aus, und dann gehen wir. Das Bier wurde ausgetrunken. Meine Kollegin hatte schon angefangen sich fertig zu machen. Jacke anziehen u.s.w. da fing dieses Lied von Shakira an. Oh, lass uns noch dieses eine Lied tanzen, dann gehen wir, ja? Fragte ich. Na gut… In einer Art Trance, in einer ‚kurz vor dem Weltuntergang Stimmung’, sprangen wir in Richtung Bühne, die eine wilder als die andere. Der Kellner brachte uns Bier. Wir brauchen nicht zu zahlen. Ups, wir sind gerade die Unterhaltung… Ich war ausgedurstet und ging zum Kellner um mir Bier in ein Glas einzugießen. Ich war am trinken, als ich es hörte. Ohhh! Mehrere Leute gleichzeitig erschraken. Ich drehte mich um und sah meine beide Freundinnen am Boden. Sie standen auf. Auf dem Boden waren große Bluttropfen zu sehen und dann sah ich die blutende Nase meiner Kollegin… Die Kollegin hatte versucht, die andere Freundin zu halten, weil sie ausgerüscht war. Leider stand sie nicht so stabil und beide fielen runter. Auf der Toilette der Disko wurden wir bestens versorgt. Mit Eiswürfeln, mit Schnaps und Tüchern… Die Kollegin war so tapfer. Sie sagte nur, das wird schon. Leider hörte die Nase nicht auf zu bluten. Im Gegenteil die Nase fing an auch innen zu bluten. Ich hatte keine Ahnung von gebrochenen Nasen. Ich hatte das nur im Fernseher bei Boxern gesehen. Zum Gluck war ein Junge da, der sich auskannte und uns empfahl zum Krankenhaus zu gehen. Angesichts der inneren Blutung hielt ich es für nötig und zu dritt nahmen wir ein Taxi in das Gaoxin Krankenhaus. Das Krankenhaus liegt im südlichen Teil der Stadt, wo wir auch wohnen. Dort waren wir fast die einzigen. Nur noch ein junger Man mit Blut im Gesicht, sonst keiner da. Am Eingang bezahlten wir eine Gebühr, damit der Arzt meine Kollegin untersucht wird. Wir liefen durch die Gänge bis wir das richtige Zimmer fanden. Der Arzt schaute sich die Nase an und machte ein tröstendes Gesicht, als wollte er uns sagen, das überlebt man! Man kann da nichts machen, bei einer gebrochenen Nase. Sie muss von alleine zusammen wachsen. Kann er ihr Schmerzmittel geben, damit sie schlafen kann? Und muss man nicht nähen?
Ich kann nähen, soll ich? Fragte der Arzt. Ich war etwas verdutzt. Die Kollegin sagte, sie will genäht werden. Nach der Diagnose wird man noch mal zur Kasse gebeten, um die nächste Behandlung zu zahlen. Etwas über 300 Yuan kostet das nähen. Nicht viel, aber ohne die Scheine, die Georg mir gegeben hat, hätte sich das ganze noch verzogen, bis wir Geld irgendwo abheben. Ich wartete mit der Kollegin, während unsere Chinesische Freundin wieder zum Krankenhauseingang lief um zu bezahlen. Erst als sie mit dem Beleg zurück kam begann der Arzt sich fertig zu machen. Das ist das übliche Vorgehen hier.
Insgesamt waren 4 Stiche notwendig. Wir mussten das Zimmer nicht verlassen. Der Arzt störte sich nicht daran, dass ich näher kam um die Prozedur anzuschauen. Eine Woche später ist die Nase der Kollegin wieder ganz die alte. Wie durch mehrere Wunder hatte sie einen doppelten Bruch aber die Nase änderte kaum die Form. Jedenfalls ich kann keine Änderung sehen. Das ganze Wochenende war ich von Ohren und Kopfschmerzen geplagt. Dazu kamen die Sorgen um meine Kollegin und noch das schlechte Gewissen, denn wären wir gegangen, statt zu Shakira’s Lied zu tanzen, wäre das alles nicht passiert, aber im nachhinein ist man immer schlauer. Das einzig gute dabei war, die Sorgen um die Firma haben sich relativiert.