Montag, 16. März 2009

Es könnte so einfach sein

Qianzahng hört dem Optiker zu. Der Optiker hält meine neue Brille in den Händen und erklärt Qianzhang dies und das. Qianzhang nickt mit dem Kopf und überlegt, was er mir sagen soll. Der Optiker sagt, Du brauchst nicht die Gläser der Brille austauschen zu lassen. „Aber die Brille ist schief“ sage ich. „Sage bitte dem Optiker, dass ich inzwischen viele Leute gefragt habe, und alle sehen das wie ich. Die Brille ist schief“. Wieder unterhalten sich der Optiker und mein Kollege. Der Optiker setzt mir die Brille ab und auf. Beide schauen mich an und unterhalten sich. Ich nehme nochmals die Brille und stelle sie auf dem Tisch. Ich zeige mit meinem Finger, dass die Gläser nicht 100% symmetrisch im Rahmen montiert wurden. Mit der Folge, dass der Bügel über der Nase zu einer Seite nach unten geneigt zeigt. „Yi dianr“ höre ich die beiden sagen. „Ein Bisschen“. Dann kommt irgendwas wie „Deguoren shi hen …“ Deutsche sind sehr … genau nehme ich an. Das Wort kannte ich nicht. Der Optiker und ein andere Angestellte lächeln sich an. „Die Brille war nicht billig und ich will, dass sie richtig sitzt“. Der Optiker schraubt die Brille auseinander und wieder zusammen. Das bringt nichts, denn meine Brille hat keinen Rahmen. Die Gläser werden über eine Schraube am Bügel festgehalten. Nur die Löcher für die Schrauben sind halt etwas… unsymmetrisch… Meiner Meinung nach, müsste das linke Glas noch mal gemacht werden. Mit einem genaueren Loch. „Es ist nicht besser“ sage ich etwas verzweifelt. Mein Kollege versucht es noch mal. Ich höre das Wort „Ingenieur“. Wieder wird was gedrückt, gebogen, etc. Und ich kriege die Brille aufgesetzt. Der Optiker ist etwas genervt jetzt. Ich denke mir, ich muss noch einmal kommen, aber diesmal mit jemandem, der schimpfen kann. „Ich nehme die Brille mit und probiere sie aus“ sagte ich. Lass uns gehen Qianzhang, ich denke es ist etwas besser.
Unterwegs unterhalte ich mich mit Qianzhang. Er sagt, der menschliche Körper ist nicht 100% symmetrisch. Mal hat man einen größeren Fuß, ein tieferes Ohr, ein kleineres oder größeres Auge. Ich atme tief ein und aus. Er erklärt mir weiter, dass deshalb viele Brillen etwas schief sitzen, weil viele Gesichter nicht symmetrisch sind. Er nimmt seine eigene Brille als Beispiel. Ich sage, es müsste möglich sein, eine Brille an ein etwas unsymmetrisches Gesicht anzupassen. Ja, es müsste möglich sein, sagt Qianzhang und lacht etwas verzweifelt. Dann versuche ich es mit einer andern Strategie. „Ich wollte eine schönere Brille als vorher. Und Du weißt wie Frauen sind“. „Ja, ich weiß“ sagte Qianzhang lächelnd.

Ich muss auch noch Telefon aufladen, sage ich Qianzhang. Kannst Du mir dabei helfen. Klar, mache ich! Telefonrechnungen sind hier nicht üblich. Stattdessen muss man Guthaben aufladen und entweder man denkt rechtzeitig daran, wieder aufzuladen, oder man hat eines Tages keine Internetverbindung mehr… Mit Handy, Gas und Strom ist es genau das Selbe. Zum Aufladen geht man in Line community charges Büros. Die sind überall in der Stadt zu finden. Alle mit dem gleichen Logo. Man muss nur lesen können, dann findet man sie schon… Im Büro schreibe ich meine Festnetznummer auf. Die Angestellte gibt sie im Computer ein. Zu wem gehört der Anschluss? Ha, ich bin vorbereitet. Ich zeige Qianzhang eine SMS mit dem chinesischen Namen des Hausbesitzers. Leider in Pinyin und nicht in chinesischer Schrift. Die Angestellte will genau wissen, um welche chinesischen Zeichen es sich dabei handelt. Oh, sorry aber das wissen wir nich, wir haben nur den Namen in Pinyin. Die Angestellte fragt, ob ich sicher sei, über die Nummer. Ja, sage ich. Wie viel wollen sie zahlen? 1000 Yuan. Ne, das geht nicht. „Das ist zu viel Geld“ sagt mir Qianzhang. Wie viel kann ich zahlen? 100 Yuan. „Aber ich bin schon in Minus 500“ ich muss mindestens 500 zahlen. Nein das geht nicht, aber morgen geht das. Wieso geht das morgen und nicht heute? Qianzhang unterhält sich mit der Angestellten und überlegt sehr lange, findet aber die Wörter nicht auf Englisch. OK, ist gut. Meint sie, ich soll in ein anderes Büro gehen? Ohne sie zu fragen, nickt Qianzhang zustimmend. Ok, dann muss ich mich beeilen, denn es ist schon nach 17:00 Uhr und die machen um 18:00 Uhr zu.

Ich entdeckte im Stadtzentrum ein Fotostudio. Ich suchte einen Nachmittag meine schwarze Jacke aus und ging dahin. Ein sehr schönes Studio. Macht einen guten Eindruck. Ein Pärchen macht gerade Fotos für die Hochzeitskarten. Die werden geschminkt und schön gerichtet. Große Lampen werden gebracht. Das Mädel, welches sich um mich kümmert, spricht so wenig Englisch wie ich Chinesisch. Sie versteht, dass ich kleine Fotos für meinen Lebenslauf will. Sie zeigt mir zwei Beispiele. Es gibt 4 größere Fotos oder 12 kleinere. Ich zeige auf die größeren. Bis dahin alles klar. Ich will 5 verschiedene Aufnahmen versuche ich ihr zu sagen. Sie ruft eine Freundin an und spricht mit ihr, dann gibt sie mir das Handy. „Hallo? What do you want?“ Ich erkläre alles von vorne und gebe das Telefon zurück. Das Mädel schüttelt den Kopf und erklärt ihre Freundin irgendwas. Dann bekomme ich das Telefon noch mal. Wie viele Fotos? 5 verschiedene. But you could have one! Ja, ich weiß, aber ich will 5. 5 verschiedene. Ich gebe das Telefon weiter. Ich nehme ein Blatt und zeichne was ich will. Insgesamt 20 Bilder. 5 verschiedene Fotos, und natürlich von jeder 4. Ach so. Dann, geht es um Preis und Abholdatum. Morgen ist billiger. Morgen ist gut. Ok.
Ich wurde in ein anderes Zimmer gebracht. Das Mädel erklärt dem Fotograf was ich will. Der Fotograf schüttelt den Kopf und schimpft mit dem Mädel. Das Mädchen ist kurz davor zu weinen. Was ist denn jetzt wieder? Frage ich mich. Ich werde es wohl nie erfahren. Der Fotograf stellt mich hin und mit den Händen fragt er mich, wie groß die Aufnahmen sein sollen. Ich zeige Kopf und Schulter. Nein das geht nicht. Ganzer Körper oder bis zu den Beinen. Na gut, dann bis zu den Beinen, Du meine Gute!

Keine Kommentare: