Einmal als ich zu Besuch bei meinen Schwiegereltern war, hatte ich eine sehr interessante Unterhaltung. Ein Handwerker fragte mich nach dem Herrn Müller. Ich antwortete er sei gerade nicht zuhause. Meine Schwiegermutter ist auch nicht da, sie kommen später. Während ich mit ihm sprach, beobachtete er mich ganz genau. Er beobachtete mein Gesicht mit den nicht gerade deutschen Gesichtzügen. Er beobachte meinen Mund, der sich bewegte und aus dem Wörter kamen, die anders klangen. Ich beobachtete, wie er etwas nervös und ratlos wurde, wie er anfing langsam und etwas deutlicher zu sprechen. Ich beobachtete, wie er seine Hände dabei bewegte, als würden die Wörter gar nicht reichen. Abgelenkt von so vielen Beobachtungen habe ich fast nicht gehört, was er gesagt hat. Sie kommen später noch mal? Fragte ich. Ja! Sagte er, den Kopf stark von oben nach unten und zurück bewegend.
Zu Besuch in Kolumbien fragt Georg an der Hotel Rezeption wo die Toiletten sind. Die Frau schaute konzentriert und angestrengt den Georg an. Während er sprach, sah sie seinen schönen blauen Augen und fragte sich möglicherweise ob er „Gringo“ sei und ob er 2 Meter groß sei oder noch größer. Als seinen Mund sich nicht mehr bewegte und Georg sie anschaute, als warte er auf eine Antwort, schaute sie mich fragend an. „En donde estan los banos“ wiederholte ich. Ich sagte genau den gleichen Satz, den Georg gesagt hatte. Sie verstand auf einmal. Sehr enttäuscht fragte mich Georg, warum die Leute ihn nicht verstehen. Ich sagte ihm, die Leute brauchen etwas Zeit, bis sie merken, dass Du deren Sprache sprichst. Fang mal mit ein paar höflichen Floskeln an. Empfahl ich. „Buenos dias senorita“ o „Disculpe, tengo una pregunta“. Falls es sich um ein nettes hübsches Mädchen handelt, sagte mein Vater, dann fange am besten mit „Mi amor“ an. Meine Liebe.
Nun in China ist es so, dass selbst Chinesen sich manchmal einander nicht verstehen. Weil das Land so groß ist und die Aussprache in den verschiednen Regionen bwz. Minderheiten sehr unterschiedlich ist. Manchmal müssen sie anfangen Zeichen in der Luft zu zeichnen oder sogar auf Papier. Wenn selbst die Kommunikation mit einem anderen Chinesen so schwierig sein kann, wie soll es nur klappen mit einem Ausländer?! Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Von Grins- oder Lachanfälle bis zu Stummheit. Von Begeisterung bis Ärger. Oh je! Kopfschütteln, weg gehen, etc.
Meine österreichische Kollegin, die schon fast 5 Jahre hier ist, und sehr gut chinesisch spricht, sagt dem Taxifahrer wohin. Der Taxifahrer schaut sie an, sagt nichts und dreht sich fragend zu mir. Weil ich weniger ausländisch, ja manche sagen ein bisschen chinesisch aussehe. Da ich nichts sagen kann, dreht er sich wieder zu meiner Kollegin, die das Ziel noch mal sagen muss.
Vor ein Paar Tagen war ich mit Kristine in einem chinesischen Kaffee. Ich versuche zu fragen, ob der Milchtee heiß oder kalt sei. Die zwei Mädchen schauen sich an und schütteln den Kopf. Ich bestelle dann einen Milchkaffee.
Ein Mädchen kommt mit der Bestellung und versucht sich mit Kristine zu unterhalten. Wir verstehen nichts und müssen lachen. „Bitte sagen Sie das noch einmal“, sage ich. Etwas verlegen und rot im Gesicht, fragt das Mädchen noch mal. Ich glaube sie will wissen, wie lange Du in Xi’an bist. Sage ich. Kristine antwortet „11 Monate“. Das Mädchen schaut die große Kristine mit ihren hellblauen Augen und ihrem hellen Haar so an, als sehe sie gerade eine Glücksfee, oder gar einen Engel. Grinsend und Kristina anschauend geht das Mädchen wider. Als wir dann bezahlen, spricht das Mädchen wieder mit Kristina. Ihr chinesisch sei sehr gut. Kristina lacht, und bedankt sich.
Wenn Georg Chinesisch spricht, und sei es nur ein „Nihao“ dann bekommt er oft ein „Ni da Hanyü hen haoting“ sie sprechen sehr gut chinesisch. Ich bekomme nicht so oft Komplimente. Im Gegenteil, letztens schaffe ich es, dem Taxifahrer zu sagen, er soll umdrehen und zurückgehen, denn meine Freundin hatte was im Taxi vergessen. Der Taxifahrer macht das und redet mit mir. Ein Satz blieb hängen. „Ni de Fayin bu tai hao“ Deine Aussprache ist nicht wirklich gut. Hm. Ich dachte Chinesen sind diplomatisch und nicht so direkt…
Vielleicht weil ich schwarze Haare und schwarze Augen habe, müsste ich chinesisch besser sprechen können, als wenn ich helle Augen, helle Harre und eine längere Nase hätte. ;-)
P.S. letztens lernte ich eine Deutsch-Argentinierin kennen. Ich hatte schon von ihr gehört und fragte sie gleich am Anfang „tu hablas espanol?“. Dann redeten wir eine weile auf Spanisch. Sie sprach perfekt spanisch mit argentinischen Akzent. Während sie sprach dachte ich mir, sie ist eigentlich ziemlich argentinisch. Dann wechselten wir auf Deutsch. Ihr Deutsch war ebenso perfekt. Mit den Ja’s und ehm’s alle an den richtigen Stellen. Während sie sprach, merkte ich, dass sie sich für mich verwandelte. Von einer waschechten Argentinierin in eine waschechten Deutschen.
High in the mountains
vor 16 Jahren

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