Montag, 13. April 2009

Großes weites Land

Wie gut sind die Erdkunde Kenntnisse? Schauen wir mal mit den folgenden Fragen:
In welchem Land liegt der Himalaya? Ist das ein Berg oder ein Gebirgssystem? Und liegt der höchste Berg der Welt auf einem einzigen Land oder liegt er im Grenzgebiet zweier Länder? Wenn ja, welche Länder sind das?
Nun, es ist schon lange her, da habe ich mich mit meinem Kollegen über den Mount Everest unterhalten. Er sagte, der höchste Berg der Welt liegt auf China. Ich erinnerte mich an die vielen Fernseherreportagen über die Steigung dieses Berges. Die Bergsteiger gingen zuerst nach … (war das nach China? Wieso hatte ich das noch nie gehört). Ich sagte nichts und stattdessen schaute in Google Maps nach. Man kann ja sogar Höhenlinien zeigen lassen und man sieht mit Google.cn ganz eindeutig, dass der höchste Punkt auf der rechten Seite der Grenze liegt, also auf chinesischem Gebiet. Ein großer Teil des Berges streckt sich über dem Nachbarnland. Ich zeige das Bild meinem Kollegen. „Yes, the mountain belongs to China and to a small neighbor country“. Als ich am Abend etwas entsetzt dem Georg erzählte, mein Kollege wusste nicht, welches Land sich den Mount Everest mit China teilt, fragte er mich: Wie viele Nachbarnländer hat Kolumbien. Fünf! Sagte ich schnell. Welche? Venezuela, Ecuador, Brasil, Peru und ähh… Brasil. Hattest Du schon. Ähh, … Ich fing an zu schwitzen und brauchte eine Weile bis mir wieder einfiel. Wir fanden im Internet eine Seite mit den Nachbarnländern aller Länder. Sachen gibt es…
Da war China an der ersten Stelle mit 15 Nachbarn. Ich musste zu meiner Schande feststellen, dass ich einige der Namen zum ersten mal sah.
Ich fing an zu grübeln. Ich erinnerte mich an meine Schulzeit. Es war so langweilig die Namen aller Präsidenten auswendig zu lernen. Zu der Amtszeit vom Präsident Pinilla entstand in Kolumbien mit Hilfe Deutschlands die erste Lateinamerikanische Fluggesellschaft Avianca. Mehr blieb nicht hängen… Mit Erdkunde war es einfacher, denn Kolumbien ist ja nicht so groß.
Nun China hat eine tausendjährige Geschichte. Ich weiß nicht wie viele Dynastien. Jede Dynastie dauerte lang genug und hatte einige Kaiser. China hat mehr als 30 Provinzen und viele davon sind großer als ein europäisches Land. Darin alle mögliche klimatische Zonen und Landschaften enthalten sowie über 50 verschiedene Völker. Als wäre das nicht genug müssen die Kinder die Schrift lernen. Die Tausende von Charakteren in den verschiedenen Entwicklungsstadien der Schrift, denn die Schrift hat sich geändert mit der Zeit. Mein Kollege zeigt mir und erzählt mir mit Freude, wie ein Zeichen früher aussah, wie man das sonst schreiben kann, zum Beispiel bei der Kaligrafie. Und ich muss staunen.
Meine Lehrerin sagte mir, sie lernte gerne Geschichte, denn damals sei China so mächtig gewesen. Zur Zeit der Tang Dynastie. Und die Geschichte der letzen Jahrzehnten sei ja nicht so schwierig. Da regierte viele Jahre derselbe. Und Religion Unterricht gab es auch nicht mehr, sonst wären die 108 verschiedenen Budhas und die unzähligen Budhas Begleitern auch noch dran gewesen.

Samstag, 11. April 2009

Am Rande der Legalität

Hierzulande muss man auch Steuer bezahlen. Wenn man bei einer Firma angestellt ist, dann wird die Steuer automatisch vom Gehalt abgezogen. Im Restaurant ist es so, dass der Restaurantbesitzer nur dann Steuer zahlt, wenn der Kunde dafür sorgt. Dafür muss der Kunde nach Bezahlen der Rechnung nach ‚Fapiao’ fragen, also nach Steuerscheine. Um den Kunden zu motivieren kann man in den Steuerscheinen ein kleines Feld freirubeln. Manchmal kann man 5 oder 10 Yuan gewinnen. Wenn man nach Fapiao fragt, kann es passieren, dass die Kellnerin statt mit Fapiaos mit einer Dose Cola zurückkommt. Fragt man noch mal, dann kann die Kellnerin mit einer Flasche Schnaps zurückkommen, je nachdem ob die Rechnung hoch ist. Wenn man eine Wohnung sucht, dann variiert der Preis um 15 bis 20% je nachdem, ob man vom Vermieter Steuerscheine will oder nicht.

Ich bekam einige Stunden Chinesisch von der Firma bezahlt. Ich suchte mir meine Lehrerin aus, und sie müsste einen Vertrag mit der Firma abschließen. Eines Tages fragte ich sie, ob sie das Geld von der Firma schon bezahlt bekommen hatte. Sie sagte, sie muss zuerst Steuern bezahlen, dann kann sie mit dem Nachweis über die Bezahlung in die Firma gehen und dann wird ihr das Geld überwiesen. Mir kam das seltsam vor und ich fragte sie, ob sie bei dem vorherigen Arbeitgeber das auch so gemacht hat. Nein, sagte sie. Denn in der Sprachschule, wo sie als Chinesisch Lehrerin gearbeitet hat, wurde ihr das Gehalt bar bezahlt. „Ich glaube, die Sprachschule bezahlt keine Steuern“ sagte sie.

Letztens lernte ich einen jungen Deutschen kennen, der letztes Jahr bei meiner Lehrerin in eben dieser Sprachschule 4 Monate lang chinesisch gelernt hat. Er kam dieses Jahr noch mal für 3 Wochen, allerdings nicht nach Xi’an sondern in eine Sprachschule in Kungming. Er erzählte er hatte Schwierigkeiten mit dem Visum diesmal, weil letztes Jahr in X’an wurde sein Touristenvisum 3 mal verlängert. Verlängert? Geht das? Und wieso hattest Du denn ein Touristenvisum überhaupt? Ja, weil ich glaube die Sprachschule ist nicht ganz legal und kann keine Studentenvisa vergeben. Der Leiter der Schule ist jedes Mal mit mir zum Amt gegangen und sagte dem Angestellten „Ja, das ist ein sehr guter Freund von mir und er möchte noch ein Bisschen länger hier bleiben!“.

Donnerstag, 9. April 2009

Nanjing – Die Hauptstadt des Südens

Vor ein Paar Wochen waren wir für ein langes Wochenende in Nanjing.
Nanjing war noch vor der Vereinigung Chinas eine wichtige Stadt. Dann in der Ming-Zeit wurde Nanjing als Hauptstadt ernannt. Die Stadt bekam eine große Stadtmauer, Paläste, Tempeln etc. In der Qing-Zeit wurde Nanjing wieder Regierungssitz und hier wurde der Nanjing Vertrag unterzeichnet, welcher England das Recht auf Opiumhandel gab.
Später wurde Nanjing die Hauptstadt der Republik China. Als wäre das nicht genug Ruhm und Geschichte, wurde Nanjing Kriegshauptstadt während des Japanisch-Chinesischen Krieges. Die Besetzung der Stadt durch die Japaner ging dann in die Geschichte (Nanjing Massaker 1937). Jetzt ist Nanjing nur noch eine Provinzhauptstadt und ein beliebtes Ziel für Touristen.

Vom Flugzeug aus sieht man wie sich Wasser Kanäle durch die Stadt schlängeln. Eine der Hauptattraktionen ist eine Bootsfahrt! Abends, wenn die Häuser rechts und links der Kanäle beleuchtet werden, ist die Bootsfahrt besonders schön. Tagsüber kann man viel Zeit beim Schlendern durch die Gassen verbringen.

Das Sun YanSet Mausoleum befindet sich auf dem höchsten Punkt eines Berges. Wenn man die vielen Treppen geschafft und die Aussicht genossen hat kann man sich in das eigentliche Mausoleum mit vielen anderen Besuchern rein drängeln. Dann läuft man schritt für schritt ganz eng nebeneinander und man kann dabei mit Glück ein Blick auf den Sarg in der Mitte des runden Raums werfen. Dann wird man wieder raus geschleust.

Die Stadtmauer ist leider nicht komplett vollständig, aber ein doch großer Teil ist in gutem Zustand. Von der Stadtmauer aus kann man in ein von Nonnen geführtes Tempel reingehen, in dem vegetarisches Essen verkauft wird. Ob man es kaufen kann ist eine andere Geschichte, denn man muss zuerst woanders einen Bon kaufen. Ein Bon für was? Wird man gefragt. Für Essen! Für welches Essen denn? Ähh, also Reis mit Gemüse… Ich kaufe einen Bon für 15 Yuan und zeige auf ein Essen mit dem Finger. Kopfschütteln. Das kostet 20 Yuan! Was gibt es für 15? Ich bekomme nicht ganz was ich wollte bin aber froh, denn ich war schon ziemlich unterzuckert.




Wenn man das Stadt Tor besucht dann sollte man sich die Gebäude genauer anschauen und darauf klopfen. Aber bloß nicht so stark! Denn die Gebäude sind eine starke und täuschend echte Attrappe aus Styropor. Zur Zeit kann man auf dem Stadt Tor auch eine Reklame für Autos bewundern. Warum auch nicht?