Sonntag, 7. Juni 2009

Hua Shan

Es heißt, manche Berge sind so hoch, dass sie bis zum Himmel reichen. Es heißt auch, diese Berge würden den Himmel stützen. Die Taoisten erklärten bestimmte Berge als heilig. Einer davon ist der Hua Shan. Dieser liegt ca. 120 Kilometer von Xi'an entfernt und ist als Tagesausflug sehr gut zu erreichen.

Ich fragte Kollegen und Bekannte, was ich für den Besuch des Berges beachten sollte. Ein Kollege erzählte mir, jedes Jahr sterben dort Wanderer oder Bergbesucher und vor einigen Jahren gab es sogar ein schlimmer Unfall. Ein ungesicherter Besucher rutschte aus und nahm mehrere mit sich runter, denn es war zu der Zeit des Frühlingsfestes und die zahlreichen Besucher drängten aneinander.
Ein anderer Kollege empfahl mir nachts hoch zu wandern, denn der Sonnenaufgang auf dem Gipfel sei besonders schön. Man könne da oben warme Kleidung mitten, und so muss man nicht so viel hoch tragen. Er hätte das schon mal gemacht und es habe sich auf jedem Fall gelohnt. Nur leider hatte er anschließend drei Tage im Bett mit einer starken Erkältung verbringen müssen. Wahrscheinlich waren die Anstrengung und der Schlafmangel doch zu viel gewesen. In einem Punkt waren sich aber alle einig, es ist sehr anstrengend und teilweise gefährlich. Die Seilbahn sei komfortabler!

Oben angekommen, oder besser gesagt aus der Seilbahn ausgestiegen, kann man doch noch viel Zeit beim Wandern verbringen, denn der Hua Shan besteht aus fünf Gipfeln. Als wir oben ankamen war es schon fast mittags. Wir suchten uns einen Platz zum Mittagessen und studierten dabei die Hua Shan Karte. Während ich so da saß und mein Proviant aß, kamen zwei junge Chinesen und fragten Kristina, ob sie sich mit ihr fotografieren lassen könnten. Nach den Jungs wollte dann noch eine kleine Familie ebenfalls Kristina auf dem Familienfoto haben. Irgendwann musste sie „Nein, ich will nicht“ sagen, denn sonst hätte sie nicht aufessen können.

Bereits während der ersten Metern fühlte sich mein Herz nicht so gut an. Ich stellte mir vor, so muss sich eine tief in der Einkaufstüte eingepackte Tomate auch fühlen: kurz vor dem Platzen! Der Weg war so eng und rechts und links ging es verdammt tief runter. Es gab zwar Absicherungen rechts und links aber ich hatte trotzdem Angst, vor allem nachdem mich ein Paar Besucher aus versehen anschoben (weil man schaut hier die schoene Landschaft aber nicht nach vorne, ob da jemand langsam lauft).

Zu Beginn des Rundgangs kann man dieses Schild sehen. Zuerst machten wir uns lustig über den letzten Satz: The bottom is bottomless. Nun jetzt denke ich, dass kein anderer Satz die Landschaft besser beschreiben könnte, denn egal wo man ist, wenn man runter schaut, man kann den Boden nicht sehen!

Wie hierzulande so üblich, war der Wanderpfad eigentlich ein Treppenweg. Endlos viele, niedrige und nicht besonders breite Treppen.

Fast beeindruckender als der Berg selbst war der Anblick von den Trägermännern. Ältere und nicht besonders kräftig aussehende Männer, die verschiedene Produkten von ganz unten bis in die Gipfelunterkünfte trugen. Sie mussten nicht nur die schwere Last hoch tragen, sie mussten auch noch dabei auf sich selbst und auf die anderen aufpassen, denn Chinesen verhalten sich auf dem Wanderweg ebenso wie auf den Strassen, als gebe es niemanden mehr.

Wenn die Last nicht so schwer ist, oder wenn sie wieder auf dem Rückweg sind, dann wird musiziert. Der eine singt, der andere spielt eine kleine Flöte. Ich habe nicht verstanden was sie gesungen haben, aber es war wohl lustig, denn die chinesischen Besucher fingen an zu lachen und zu klatschen. Ich fand den Gesang sehr schön. Energisch und fröhlich. Man kann sich nur freuen und wundern, wenn man sieht, dass nach so einem harten Arbeitstag die Träger noch in der Lage sind, sich selbst und andere zu erfreuen.

Bilder

Bilder 2

Bilder 3

Bilder 4

p.s. Da dieses Blogspot nicht zugelassen, ist das Hochladen von Bildern nicht moeglich, deshalb hier nur die Links auf flickr

1 Kommentar:

Unknown hat gesagt…

hallo,

wart schwer Deinen Blog zu finden, da Blogspot ja leider geblockt ist in China.

Ich wollte fragen,
ob wir Deine Artikel über Xian in unserem digitalen Xi'an-Magazin veröffentlichen können?:

http://newdynasty.com.cn

Wenn Du einverstanden bist, bitte Bescheid geben. Wir werden Deinen Namen auch auf jeden Artikel setzen.

Danke,

Manuel